Suche

 

Brief des Vorstandsvorsitzenden

 

Liebe Aktionärinnen und Aktionäre,

Ihre Continental AG ist auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Das Jahr 2010 war für uns sehr anspruchsvoll, und am Ende haben wir mit Ihrer Unterstützung viel erreicht. Dafür danke ich Ihnen im Namen des gesamten Vorstands.

Ich muss zugeben, dass wir vor einem Jahr zwar an unsere Kompetenz und unser Potenzial fest geglaubt haben, aber wir konnten angesichts der Wirtschaftskrise und unserer Finanzlage nicht sicher sein, dass wir innerhalb von wenigen Monaten all die großen Herausforderungen nicht nur erfolgreich bewältigen, sondern dabei sogar noch an Stärke zulegen würden.

Heute können wir Ihnen solide Geschäftszahlen und einen deutlich gestiegenen Umsatz präsentieren. Darüber hinaus haben wir Ihr Unternehmen weiter entschuldet und die Struktur der Fälligkeiten unserer Verschuldung wesentlich verbessert. Das heißt, wir haben zusätzlichen operativen Handlungsspielraum gewonnen, und der künftige Erfolg Ihrer Continental AG ist wieder leichter planbar.

Ausschlaggebend für diese positive Entwicklung ist zum einen die konjunkturelle Erholung. Diesen Rückenwind konnten wir gut nutzen. Zum andern gilt das alte Sprichwort: Das Glück ist mit dem Tüchtigen! Unseren Gesamterfolg haben wir deshalb zu einem Großteil auch unseren Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen zu verdanken sowie einer Reihe neuer, erfolgreicher Produkte. Zum Dritten konnten wir uns allem voran auf unsere hoch engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen. Ich hoffe, ich spreche in Ihrem Namen, wenn ich ihnen allen weltweit meinen herzlichen Dank für die hervorragende Leistung ausspreche.

Nach einem erfolgreichen Jahr fällt es leicht, auf die guten Ergebniszahlen zu verweisen. Ich könnte den um rund 6 Milliarden Euro oder 30 Prozent erhöhten Konzernumsatz anführen oder das bereinigte operative EBIT. Dieses konnten wir trotz erheblicher Belastung durch die gestiegenen Rohstoffpreise um 113 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro steigern. Damit haben wir unsere Erwartung einer bereinigten EBIT-Marge von rund 9 Prozent übertroffen. Allein diese Zahlen beschreiben sicherlich den von uns erzielten Erfolg.

Mindestens ebenso wichtig ist aber die Strategie hinter den Zahlen: eine hohe Qualität unserer Leistungen sicherstellen, den uns zur Verfügung stehenden Free Cashflow zur Schuldenreduktion erhöhen und profitables Wachstum gerade in den aufstrebenden Märkten vorantreiben.

Im zurückliegenden Jahr haben wir nicht nur Etappenerfolge erzielt, sondern gleichzeitig entscheidende, strategische Weichen für unseren zukünftigen Erfolg gestellt.

Besonders erfreulich in diesem Zusammenhang: Die Division Powertrain hat ein Jahr früher, als wir krisenbedingt erwarten konnten, die Gewinnschwelle beim bereinigten EBIT überschritten. Denn unser Ziel lautet nach wie vor: Alle Geschäftsbereiche und Segmente müssen Wert für Ihr Unternehmen schaffen.

Weiterhin liegen unsere Schwerpunkte für zukünftiges Wachstum in der Region Asien – hier insbesondere in China, aber auch in Indien – sowie in Brasilien und Russland. In diesen Ländern wächst der Bedarf an Mobilität dramatisch an. In Asien wollen wir unseren Umsatzanteil der Automotive-Divisionen schrittweise von derzeit 21 Prozent auf 30 Prozent steigern. Daher wachsen wir dort im Konzern zurzeit planmäßig überproportional mit nahezu 50 Prozent auf über 4 Milliarden Euro. In unserem neuen Reifenwerk im chinesischen Hefei ist Anfang 2011 die Produktion angelaufen. Von dort aus soll der asiatische Markt beliefert werden.

In Asien verfügen wir derzeit insgesamt über rund 40 Produktionsstätten und 30 Vertriebsbüros mit rund 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Kundennähe ist bei der Ausweitung unserer Aktivitäten alles entscheidend. Zudem geht es darum, in der Region für die Region zu arbeiten. Das heißt, wir wollen vor Ort entlang der gesamten Wertschöpfungskette agieren: von der Forschung und Entwicklung, über den Einkauf, die Fertigung bis zum Vertrieb.

In Brasilien werden wir unsere Produktionskapazität für Reifen in Kürze verdoppeln. In Russland haben wir die Absicht, eine eigene Fertigung aufzubauen.

Unsere Investitionstätigkeit werden wir 2011 um rund 200 Millionen Euro erhöhen. Ein Großteil der Mittel wird in die stark wachsenden Reifen-Divisionen fließen.

Neben dem überproportionalen Wachstum in den aufstrebenden Märkten ist es für uns von strategischer Bedeutung, die Megatrends der Automobilindustrie mitzugestalten: Sicherheit, Information, Umwelt und kostengünstige Fahrzeuge.

In allen sechs Divisionen forschen, entwickeln und bauen wir an dieser Zukunft mit. Dazu zählen beispielsweise Systeme, die das Fahrzeug mit anderen Fahrzeugen oder mit der Verkehrsinfrastruktur verbinden. Sie helfen den Fahrern, aus dem Auto heraus vernetzt zu sein, zu kommunizieren oder besonders sparsam zu fahren. Unser Beitrag besteht vor allem darin, die Tausenden von modernen Elektronikapplikationen und vielfältigen Web-Angebote so im Fahrzeug zu integrieren, dass die Fahrer maßgeblich entlastet werden und sicher fahren. Zu unseren Megatrend-Produkten zählen obendrein rollwiderstandsreduzierte Reifen, Leichtbautechnologien und optimierte Einspritzsysteme für weniger Verbrauch und geringeren CO2-Ausstoß. Denn das nachhaltige Fahrzeug der Zukunft muss vor allem leichter und vernetzter werden. Es wird einen Schutzschild aus elektronischen Sensorsystemen und zunehmend neue Antriebsformen erhalten. Unser Unternehmen hat höchste Expertise, sowohl bei Verbrennungsmotoren als auch bei Elektroantrieben. Wir freuen uns darüber, dieses Jahr den ersten kompletten elektrischen Antriebsstrang für das Serienfahrzeug eines europäischen Automobilherstellers zu produzieren. Der Elektromotor dafür wird in Deutschland gefertigt.

Bei aller Begeisterung für Elektrofahrzeuge: Der Verbrennungsmotor wird uns noch viele Jahrzehnte begleiten. Wir sind überzeugt davon, dass es unsere Ingenieure mit ihrem packenden Ehrgeiz schaffen, den Dieselmotor so klimafreundlich wie den Ottomotor und den Ottomotor so sparsam wie den Dieselmotor zu machen. Ich rechne damit, dass es ihnen gelingen wird, den Kraftstoffverbrauch auf dem Weg ins Jahr 2020 um bis zu 50 Prozent zu senken. Auch die Emissionswerte werden bis dahin noch deutlich geringer ausfallen.

Besonders wichtig ist für uns weiterhin das wachsende Bedürfnis nach Sicherheit im Straßenverkehr. Hier geht es darum, Leben zu schützen und Unfälle zu vermeiden. Mit einer Vielzahl an Produkten und Systemen tragen wir schon heute maßgeblich dazu bei, die Vision "Null Unfälle" zu verwirklichen.

Über die Automobilbranche hinaus sind wir Partner von vielen weiteren, anderen Konjunkturzyklen unterliegenden Schlüsselindustrien. Unsere Division ContiTech ist zum Beispiel ein engagierter und sehr erfolgreicher Partner des Maschinen- und Anlagenbaus, der Schiff- und Luftfahrt sowie der Schienenverkehrs- und Bergbauindustrie.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise des Jahres 2009 hat uns auf drastische Weise vor Augen geführt, dass unsere Welt mit ihren globalisierten Märkten wesentlich vielschichtiger, dynamischer und weniger berechenbar geworden ist. Gewinner werden auf Dauer nicht die größten oder schnellsten, sondern die anpassungsfähigsten Unternehmen sein.

Deshalb haben wir im vergangenen Jahr damit begonnen, klar zu analysieren, wo und wie wir in unserem täglichen Arbeitsverhalten besser werden können und dazu einen umfassenden Entwicklungsprozess gestartet. Im Laufe der kommenden Monate wollen wir beginnen, uns zum einen besser auf die sich schnell wandelnden Kundenanforderungen einzustellen. Dazu zählen eine wirkungsvollere Führung ebenso wie zum Beispiel Mitarbeiter, die sich effizienter über alle Ebenen und Kontinente hinweg intern sowie über unsere Organisation hinaus mit externen Partnern vernetzen. Zum anderen wollen wir dabei unsere Wertschöpfungsketten vereinfachen und uns insgesamt stärker an die Geschwindigkeit der Märkte anpassen.

Sie sehen, das gesamte Continental-Team ist wieder auf Erfolgskurs. Wir freuen uns auf die vor uns liegende Wegstrecke – und darüber, dass Sie uns dabei unterstützend begleiten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr

Unterschrift Dr. Elmar Degenhart

Dr. Elmar Degenhart
Vorsitzender des Vorstands

top

Dr. Elmar Degenhart, Vorsitzender des Vorstands

Dr. Elmar Degenhart
Vorsitzender des Vorstands

 

Ausschüttungsquote. Die Ausschüttungsquote ergibt sich aus dem Verhältnis der Dividende für das Geschäftsjahr zum Ergebnis pro Aktie.

Continental Value Contribution (CVC). Der CVC stellt den absoluten Wertbeitrag sowie als Delta CVC die Veränderung des absoluten Wertbeitrags im Vergleich zum Vorjahr dar. Anhand der Veränderung des absoluten Wertbeitrags, gemessen durch Delta CVC, verfolgen wir, inwieweit Managementeinheiten wertschaffend wachsen oder Ressourcen effizienter einzusetzen sind.
Zur Berechnung des CVC wird der durchschnittliche, gewichtete Kapitalkostensatz (WACC) vom ROCE subtrahiert und mit den durchschnittlichen operativen Aktiva des Geschäftsjahres multipliziert. Der für den Continental-Konzern errechnete durchschnittliche, gewichtete Kapitalkostensatz entspricht der geforderten Mindestverzinsung. Der Kapitalkostensatz wird als gewichteter Durchschnittskostensatz aus Eigen- und Fremdkapitalkosten ermittelt.

Defined Benefit Obligation (DBO). Barwert aller verfallbaren und unverfallbaren erdienten Ansprüche auf Basis des geschätzten Gehaltsniveaus zum Zeitpunkt der Pensionierung. Das einzige versicherungsmathematische Verfahren, nach dem die DBO ermittelt werden darf, ist das Anwartschaftsbarwertverfahren (Projected Unit Credit Method). Die DBO entspricht der PBO (Projected Benefit Obligation).

Derivative Finanzinstrumente. Hierbei handelt es sich um Geschäfte, mit denen Zins- und/oder Währungsrisiken gesteuert werden.

EBIT. Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern (Earnings Before Interest and Taxes). Wir verstehen EBIT als Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Seit 2002 entspricht durch den Wegfall von planmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill das EBITA dem EBIT.

EBITA. EBIT vor planmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill.

EBITDA. Ergebnis vor Zinsen, Ertragsteuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization).

Finanzierungsleasing. Beim Finanzierungsleasing überträgt der Leasinggeber das Investitionsrisiko auf den Leasingnehmer. Der Leasinggeber trägt somit nur das Kreditrisiko und eventuell vereinbarte Dienstleistungen. Der Leasingnehmer ist wirtschaftlicher Eigentümer des Vermögensgegenstandes. Kennzeichen solcher Verträge ist eine feste Grundmietzeit, innerhalb derer eine Kündigung durch den Leasingnehmer ausgeschlossen ist.

Gearing Ratio. Die Netto-Finanzschulden dividiert durch das Eigenkapital ergeben die Gearing Ratio.

Hedgegeschäft. Absicherung einer Transaktion gegen Risiken wie beispielsweise Wechselkursschwankungen durch Abschluss eines gegenläufigen Sicherungsgeschäfts, gewöhnlich in der Form eines Termingeschäfts.

IAS. International Accounting Standards.

IASB. International Accounting Standards Board. Ausschuss zur Festlegung von internationalen Bilanzrichtlinien.

IFRIC. International Financial Reporting Interpretations Committee. Ausschuss zur Bestimmung von Anwendungssachverhalten im Rahmen bestehender IFRS bzw. IAS.

IFRS. International Financial Reporting Standards. Die herausgegebenen Bilanzrichtlinien des IASB.

Netto-Finanzschulden. Die Netto-Finanzschulden ergeben sich aus dem Saldo der zinspflichtigen bilanzierten Verbindlichkeiten, der vorhandenen liquiden Mittel, den positiven beizulegenden Zeitwerten der derivativen Finanzinstrumente sowie sonstigen verzinslichen Anlagen.

Operative Aktiva. Als operative Aktiva gelten die Aktiva abzüglich Passiva der Bilanz ohne Berücksichtigung der Netto-Finanzschulden sowie diskontierter Wechsel aus Lieferungen und Leistungen, latenter Steuern und Ertragsteuerforderungen und -verbindlichkeiten sowie anderer finanzieller Vermögenswerten und Schulden.

Operating Leasing. Eine Form des Leasing, die der Miete weitgehend ähnlich ist. Die bilanzielle Zurechnung und Aktivierung des Leasingobjekts erfolgt beim Leasinggeber.

PPA. Purchase Price Allocation (Kaufpreisallokation). Aufteilung des Kaufpreises im Rahmen eines Unternehmenserwerbs auf die identifizierten Vermögenswerte, Schulden und Eventualschulden. Nachträgliche Eröffnungsbilanzanpassungen – resultierend aus Unterschieden zwischen vorläufigen und finalen Zeitwerten zum Erstkonsolidierungszeitpunkt – werden als "PPA Anpassung" berücksichtigt.

Rating. Standardisierte Kennziffer auf den internationalen Finanzmärkten zur Beurteilung und Einstufung der Bonität eines Schuldners. Die Einstufung resultiert aus der wirtschaftlichen Analyse des Schuldners durch spezialisierte Ratingunternehmen.

ROCE. Verzinsung des eingesetzten Kapitals (Return On Capital Employed). Wir definieren ROCE als das Verhältnis von EBIT zu durchschnittlichen operativen Aktiva des Geschäftsjahres.

SIC. Standing Interpretations Committee (Vorgänger des International Financial Reporting Interpretations Committee, IFRIC).

US GAAP. United States Generally Accepted Accounting Principles (US-amerikanische Rechnungslegung). Diese Regelungen werden in verbindliche und richtungsvorgebende Regelungen zur Rechnungslegung eingeteilt.

Währungsswap. Tausch von Kapitalbeträgen in unterschiedlichen Währungen. Wird oft bei der Emission von Anleihen eingesetzt, bei denen die Emissionswährung nicht der Landeswährung des Emittenten entspricht.

Weighted Average Cost of Capital (WACC). Der durchschnittliche, gewichtete Kapitalkostensatz, bestehend aus der anteiligen Verzinsung des Fremdsowie Eigenkapitals.

Zinscap. Ein Zinscap regelt eine Zinsobergrenze für variable Zinsen im Zusammenhang mit einem nominalen Verschuldungsbetrag. Sofern die variablen Zinssätze diese Obergrenze übersteigen, erhält der Inhaber des Zinscap einen Ertrag in Höhe des Differenzbetrags zur Obergrenze als Kompensation. Als Gegenleistung wird eine Prämie für diesen Zinscap bezahlt.

Zinsswap. Ein Zinsswap ist der Austausch von Zinszahlungen zwischen zwei Partnern. Dadurch können z. B. variable Zinsen in feste getauscht werden oder umgekehrt.