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Konzernstrategie

Ziele unserer auf sieben Handlungsfeldern basierenden Strategie sind ein ausgewogenes Produktportfolio, Technologieführerschaft und eine führende Marktposition in den für uns relevanten Marktsegmenten sowie Agilität und Kundennähe.

Unsere Finanzierungsstruktur haben wir in den vergangenen Jahren neu ausgerichtet. Mit einer Eigenkapitalquote von 40 % und einem Verschuldungsgrad von 27 % haben wir uns die notwendige Flexibilität geschaffen, kurzfristig auf Entwicklungen reagieren zu können, sollten sich Chancen ergeben, unser Technologieportfolio zu erweitern oder zu stärken. Der Zukauf von Elektrobit Automotive, der uns noch besser in die Lage versetzt, Softwarelösungen für unsere Kunden zur Vernetzung von Systemen unterschiedlicher Domänen im Fahrzeug zu entwickeln, ist ein Beleg hierfür. Wichtigstes Ziel bleibt allerdings die Stärkung des Geschäfts außerhalb der Automobilerstausrüstung. Wir handeln weiterhin bedacht und sehen uns nicht unter Zugzwang, Ziele um ihrer selbst willen zu erreichen. Wichtiger als Größe sind uns Wertschaffung und Stärkung unserer Kompetenzen.

Sieben strategische Handlungsfelder zur nachhaltigen Steigerung des Unternehmenswerts
Unsere Strategie umfasst sieben sich gegenseitig ergänzende Handlungsfelder, die darauf ausgerichtet sind, nachhaltig Wert zu schaffen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Wir konnten in den vergangenen fünf Jahren einige wichtige Zwischenziele unserer Strategie erreichen.

1. Wertsteigerung – dauerhafte Steigerung des Unternehmenswerts
Ziel: Unser Geschäftsmodell basiert auf den drei Wertströmen Innovationsfähigkeit, Produktivität und profitables Wachstum. Eine dauerhafte Steigerung des Unternehmenswerts bedeutet für uns nachhaltigen, dauerhaften Erfolg unter Berücksichtigung der Kapitalkosten. Unsere Zielmarke liegt bei mindestens 20 % Rendite auf das betrieblich gebundene Kapital.

Status: Dieses Ziel konnten wir das zweite Jahr in Folge erreichen und haben im Berichtsjahr die Zielmarke mit 20,9 % nach 20,0 % im Jahr 2014 überschritten.

2. Regionale Umsatzbalance – weltweit ausgewogene Umsatzverteilung
Ziel: Den Konzernumsatzanteil in den asiatischen Märkten sukzessive auf 30 % steigern. In China wollen wir in den nächsten Jahren überproportional wachsen. In Nord- und Südamerika soll der Umsatzanteil von insgesamt mindestens 25 % gehalten werden. Wir wollen eine weltweit ausgewogene regionale Umsatzverteilung erreichen. Damit erhöhen wir unsere Unabhängigkeit von einzelnen regionalen Absatzmärkten. Um das zu erreichen, nutzen wir die Chancen, die sich auf den wachsenden Märkten in Asien und Nordamerika bieten, während wir unsere starke Marktposition in Europa festigen. Mittel- bis langfristig wollen wir damit unser Geschäftsmodell regional noch stärker ausbalancieren. So werden wir weniger anfällig für Konjunkturschwankungen in einzelnen Regionen der Welt.

Status: In den vergangenen Jahren haben wir hierbei schon wesentliche Fortschritte erzielt. Im Berichtsjahr lag der Umsatzanteil in Asien bei 20 %. In Nord- und Südamerika lag der Umsatzanteil bei insgesamt 29 %.

Steigerung des Wertbeitrags

Steigerung des Wertbeitrags


3. Top-Marktposition – unter den drei führenden Anbietern in allen relevanten Märkten
Ziel: In den Bereichen Kundenorientierung, Qualität und Marktanteil wollen wir dauerhaft zu den drei weltweit führenden Anbietern gehören. So können wir unsere Zukunft aus einer führenden Position heraus planen und damit die Entwicklung einzelner Branchen maßgeblich mitgestalten.

Status: Wesentlicher Erfolgsfaktor und Treiber für die künftige Entwicklung ist unsere starke Präsenz in den innovativen, zukunftsträchtigen Technologiebereichen der Kraftfahrzeugindustrie. Unser Portfolio besteht etwa zur Hälfte aus den 20 weltweit am stärksten wachsenden Produktsegmenten der Automobilindustrie. Bei vielen Technologien zählen wir zu den führenden Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Das gilt ebenso für unsere Reifensparte, wie für das Geschäft mit den Automobilherstellern und für andere Industrien in der Division ContiTech.

4. Im Markt für den Markt – hoher Lokalisierungsgrad
Ziel: Ein hoher Lokalisierungsgrad kennzeichnet unser globales Geschäftsmodell. Zahlreiche Produktanwendungen werden lokal entwickelt und produziert. Dort kommen wir am besten den Bedürfnissen und Anforderungen unserer Kunden nach. Durch unsere weltweit arbeitende Entwicklung und Fertigung können wir Lösungen und Produkte für hochwertige Fahrzeuge ebenso wie für erschwingliche Autos und maßgeschneiderte Industrieanwendungen anbieten. Mindestens acht von zehn Applikationsentwicklungen sollen vor Ort entstehen, ebenso hoch soll der Produktionsanteil vor Ort sein.

Status: Derzeit verfügen wir in 35 von 55 Ländern, in denen wir vertreten sind, über Produktionsstätten. Gleichzeitig kaufen wir, soweit dies möglich und wirtschaftlich ist, lokal ein und vermarkten lokal. In den kommenden Jahren werden wir weiter hart daran arbeiten, auch einen der asiatischen Hersteller zu unseren fünf größten Automobilkunden zählen zu können. Das wollen wir durch einen hohen Lokalisierungsgrad erreichen.

5. Ausgewogenes Kundenportfolio – Balance zwischen Automobilbranche und anderen Industrien
Ziel: Durch ein ausgewogenes Kundenportfolio wollen wir die Abhängigkeit von der Automobilkonjunktur verringern. Dafür streben wir eine Erhöhung des Geschäfts in Branchen außerhalb der Automobilerstausrüstung bei gleichzeitig weiterem Wachstum im Geschäft mit den Automobilherstellern an. Bis zum Jahr 2020 wollen wir den Umsatzanteil mit Endverbrauchern und Industriekunden aus anderen Branchen in Richtung 40 % steigern. Die Basis hierfür bilden unsere Reifen- und ContiTech-Aktivitäten. Das Geschäft außerhalb der Automobilerstausrüstung erlaubt uns, Verzögerungen oder Beschleunigungen bei den oben beschriebenen Herausforderungen besser auszugleichen.

Zur Erreichung dieses Ziels verfolgen wir drei Ansätze:

  • Wir investieren im Reifenbereich in zusätzliche Produktionskapazitäten, die überwiegend auf das Endkundengeschäft ausgerichtet sind.
  • Wir stärken das automobile Endkundengeschäft durch kundenspezifische Lösungen und Produkte.
  • Wir steigern den Umsatz mit Industriekunden aus Branchen außerhalb der Automobilindustrie sowohl organisch als auch über Akquisitionen.

Status: 2015 lag der Umsatzanteil mit Endverbrauchern und Industriekunden bei 28 %.

6. Technologische Balance – Mix aus etablierten und Vorreitertechnologien
Ziel: Unser Produktportfolio soll aus einem profitablen und zukunftsfähigen Mix aus etablierten Technologien und Vorreitertechnologien bestehen. In wachstumsstarken Märkten oder Marktsegmenten setzen und begleiten wir neue Trends und Standards. In etablierten Kernmärkten stellen wir sicher, dass wir unsere Position als einer der führenden Automobilzulieferer und Industriepartner stetig weiterentwickeln. So kann Continental in allen Phasen der jeweiligen Produktlebenszyklen präsent und wettbewerbsfähig sein.

Status: In der Automotive Group zählen wir zu den führenden Anbietern bei Fahrerassistenzsystemen, bei Einspritzsystemen für verbrauchsarme, aufgeladene Diesel- und Benzinmotoren, bei der Elektromobilität sowie bei schlüssellosen Zugangssystemen und Display-Lösungen im Innenraum des Fahrzeugs.

7. Menschen, die begeistern – in einer Kultur, die inspiriert
Ziel: Wegweisende Lösungen entstehen nur in einem vertrauensvollen Umfeld. Continental ist bestrebt, in allen Divisionen und Funktionen eine Kultur des Vertrauens und der Eigenverantwortung zu fördern, Fehlertoleranz als lernendes System zu pflegen und Spielräume zu geben. Zur Entwicklung unserer Unternehmenskultur fördern und gestalten wir mit zahlreichen Initiativen ein Arbeitsklima, das von Vertrauen sowie gegenseitiger Wertschätzung gekennzeichnet ist. So schaffen wir ein Umfeld für neue Ideen und Initiativen sowie einen umfassenden Wissensaustausch und eine wertsteigernde Zusammenarbeit. Durch Netzwerkzusammenarbeit ohne organisatorische oder hierarchische Grenzen können wir effizienter zu besseren Lösungen kommen sowie Trends und Marktveränderungen schneller erfassen.

Status: Bei einer Mitarbeiterbefragung im Berichtsjahr gaben 85 % der Befragten an, dass sie unsere Unternehmenswerte – Vertrauen, Gewinnermentalität, Freiheit, Verbundenheit – voll unterstützen.

Automobilindustrie im Wandel
Die Automobilindustrie, die in den vergangenen 100 Jahren durch Fahrzeugproduzenten, die Zulieferindustrie, Autohändler, Konsolidierung und Globalisierung, die Optimierung der Mechanik, den Verbrennungsmotor sowie den Einzug der Elektronik geprägt war, steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Die wohl unmittelbarste ist die Digitalisierung, gefolgt von der Elektrifizierung des Antriebs bis hin zur Frage, wie wir als Individuen Mobilität in Zukunft erfahren wollen.

Unser Ziel ist es, über unsere sieben strategischen Handlungsfelder diese Herausforderungen anzunehmen und wertsteigernd für Continental weiterzuentwickeln.

Chancen durch Digitalisierung
Um weiterhin dauerhaft zu wachsen, nutzen wir die Chancen, die sich durch die Digitalisierung eröffnen. Eine Wertsteigerung allein durch die Optimierung der reinen Mechanik stößt zunehmend an ihre Grenzen.

Die Digitalisierung und Vernetzung der physischen Welt (Internet der Dinge) ist ein massiver Treiber wirtschaftlichen Wachstums. Sie ist umfassend ausgerichtet und erfasst Objekte, Produkte und Prozesse jedweder Art. Im Internet der Dinge können mithilfe der Digitalisierung potenziell 1,6 Billionen Objekte vernetzt werden. 14 Mrd Objekte (rund 1 % des Potenzials) sind bereits vernetzt. Es gibt noch eine enorme nicht ausgeschöpfte Leistungskraft. Der positive Einfluss dieser Entwicklung auf die Gesamtwirtschaft wird im Jahr 2020 auf ca. 6 Billionen US-Dollar geschätzt. Allein bis 2020 werden 50 Mrd Geräte und Maschinen sowie mehr als 250 Mio Fahrzeuge vernetzt sein. Hieraus resultiert ein beachtliches Umsatzpotenzial für die Automobilindustrie. 2020 liegt das geschätzte Marktvolumen bei 57 Mrd €.

Mit Fahrerassistenzsystemen und anderen digitalisierten Technologien wie Elektronik, Sensorik und Software erzielen wir heute bereits etwa 60 % unseres Umsatzes in der Automotive Group. Das waren im Berichtsjahr über 14 Mrd €.

Entlang der Megatrends der Industrie verfolgt Continental mit der Digitalisierung drei maßgebliche Ziele:

  • Null Unfälle im Straßenverkehr.
  • Saubere Luft durch geringeren Verbrauch an Treibstoff und weniger Emissionen.
  • Mehr Komfort, bessere Information sowie Unterhaltung und Fahrfreude.

Chancen durch Elektrifizierung
Neben Technologien zur Optimierung des Verbrennungsmotors entwickeln wir Technologien, die den Verbrennungsmotor unterstützen, die über begrenzte Zeiträume rein elektrisches Fahren ermöglichen oder ganz ohne ihn auskommen. Unser Portfolio umfasst Elektroniklösungen für 12-Volt- und 48-Volt-Antriebe, Hybrid- und Plug-in-Varianten sowie reine Elektromotoren. Über die Bremsenergierückgewinnung hinaus liegt unsere Kompetenz auch in der Leistungselektronik, d. h. der intelligenten Steuerung der während der Fahrt aus Verbrennungs- und Elektromotor sowie aus der Batterie zur Verfügung stehenden Energie. Allerdings hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die von der Industrie angebotenen Lösungen den Kundenansprüchen derzeit noch nicht genügen. Mit Blick auf die erhebliche Luftverschmutzung in China oder Indien sowie allgemein in den Ballungsräumen, den sogenannten Megacitys, sind wir davon überzeugt, dass sich der Elektromotor als eine Antriebsvariante durchsetzen wird. Wichtig für den Erfolg der Technologie werden folgende Meilensteine sein:

  • Die Batterie muss eine Reichweite von mindestens 500 Kilometern haben.
  • Sie muss Ladezyklen von mehr als 200.000 Kilometern standhalten.
  • Sie muss schnell – und dabei möglichst kabellos – wieder aufladbar sein.
  • Der Preis pro Kilowattstunde muss um mehr als zwei Drittel auf unter 100 € reduziert werden.

Wir rechnen damit, dass mehr als 20 % der im Jahr 2025 produzierten Fahrzeuge mit elektrifiziertem Antrieb unterwegs sein werden. Den Anteil der Elektrofahrzeuge, die ohne Verbrennungsmotor betrieben werden, schätzen wir auf nur 3 % ein. Unser Umsatzanteil im Jahr 2020 in der Division Powertrain wird dieses Verhältnis widerspiegeln. Das bedeutet, dass wir weiterhin erhebliche Investitionen in diese Technologien planen.

Konzernstrategie im Überblick

Konzernstrategie im Überblick


Chancen durch automatisiertes Fahren
Auf Basis der heutigen Fahrerassistenzsysteme wird es in Zukunft möglich sein, dem Fahrer einen Teil seiner Zeit, die er im Fahrzeug verbringt, zur freien Verfügung zu stellen. Zeit, in der das Auto das Fahrgeschehen überwacht und steuert. Viele berechtigte Fragen und Zweifel zu diesem Thema sind heute noch nicht beantwortet bzw. ausgeräumt. Fakt ist jedoch, dass das Fahrzeug in aller Regel erheblich weniger Fehler beim Fahren macht als der Mensch. Mit unseren Sensor- und Kameralösungen, mit unserer Kompetenz bei elektronischen Steuereinheiten und der Vernetzung von Fahrzeugen sind wir bereits heute in einer starken Ausgangsposition. Außerdem eröffnet der Eintritt neuer Anbieter aus der Technologiebranche zusätzliche Umsatzchancen, die wir mit unserer bewiesenen Kompetenz nutzen wollen. Eine Konsequenz kann auch eine Neudefinition von individueller Mobilität sein. Das Schlagwort lautet „Shared Mobility“, also die intensivere Nutzung des Fahrzeugs nicht von einem Besitzer, sondern von mehreren Nutzern. Die notwendigen Verstärkungen unseres Portfolios, um auch bei dieser Entwicklung weiter zu den führenden Anbietern zu zählen, tätigen wir bereits heute. Entscheidend hierbei wird unsere Fähigkeit sein, auf neue Entwicklungen zeitnah zu reagieren.

Chancen durch Urbanisierung
Bereits heute leben mehr als 50 % der Weltbevölkerung in Großstädten, d. h. dass heute ein Großteil der Fahrzeugflotte von mehr als 1 Mrd Fahrzeuge dort unterwegs ist. Prognosen besagen, dass im Jahr 2050 mehr als zwei Drittel der Menschen in Großstädten leben werden und dass die Fahrzeugflotte auf über 2 Mrd Fahrzeuge steigen wird. Das bedeutet enorme Herausforderungen an die Infrastruktur, die Sicherheit und die Emissionseigenschaften von Fahrzeugen. Letztlich bedingt die Urbanisierung neue Antriebskonzepte und Konzepte zur Vernetzung und Nutzung von Fahrzeugen, damit eine saubere und uneingeschränkte Mobilität Realität werden kann. Sie wirkt damit unterstützend für die Chancen, die sich aus der Digitalisierung, Elektrifizierung und dem automatisierten Fahren ergeben.

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