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Umwelt

 

Anfang der 1990er-Jahre hat Continental ein konzernweites Umweltmanagementsystem eingeführt und seine Unternehmensstrategie um ökologische Ziele und Maßnahmen ergänzt. Lag der Fokus in früheren Jahren auf der Schonung endlicher Ressourcen sowie der Minimierung schädlicher Emissionen und Umweltbelastungen, so geht unser Umweltmanagementsystem heute deutlich über diese Zielsetzungen hinaus. Nachhaltiges Wirtschaften in allen Wertschöpfungsstufen und über den kompletten Lebenszyklus unserer Produkte ist nun integraler Bestandteil unseres Handelns. Diese Verantwortung wird schrittweise breiter in der Lieferkette implementiert, um so unsere strategische Ausrichtung als nachhaltiges Unternehmen weiter zu verankern.

Den Rahmen unseres Umweltmanagements bildet die Umweltstrategie 2020, in der klare Zielvorgaben, Kennzahlen und Maßnahmen festgelegt sind. 2016 haben wir begonnen, unsere Umweltstrategie bis 2030 fortzuschreiben und uns dabei an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, den „Sustainable Development Goals“ (SDGs) orientiert. Die Entwicklung der Strategie in Anlehnung an die SDGs ist ein weiterer Schritt in Richtung globaler Verantwortung.

Umweltstrategie und Wertschöpfung
Wir verpflichten uns zu umfassenden Nachhaltigkeitszielen. So handeln wir nicht nur verantwortlich gegenüber Umwelt und Gesellschaft – wir denken und agieren zugleich zukunftsorientiert und im Sinne unserer unternehmerischen Wertschöpfung. Die anstehenden Herausforderungen wie Klimawandel, Globalisierung und Urbanisierung begreifen wir als Chancen. Sie fordern unsere Innovationskraft, die Entwicklung neuartiger Technologien sowie effizienter Produkte und stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Im Berichtsjahr hat Continental ungefähr ein Drittel des Konzernumsatzes mit Produkten erzielt, die sich durch besondere Energieeffizienz auszeichnen und/oder den Ausstoß von CO2 vermindern. Unsere Umweltstrategie und das Erreichen unserer Umweltziele zahlen sich ökologisch und ökonomisch aus.

Remanufacturing – nachhaltiger Wachstumstreiber in der Automobilindustrie
Remanufacturing ist ein Teil unserer Umweltstrategie und unterstützt den Circular Economy-Gedanken – damit ist die Wiederverwertung von Produkten oder Produktteilen gemeint. Anstatt Produkte komplett neu zu fertigen, werden nicht funktionierende Bauteile repariert oder durch neue Komponenten teilersetzt. Das lohnt sich besonders, wenn in einem Produkt sehr langlebige Teile und Verschleißteile miteinander kombiniert sind. So bleibt der größere, beständige Teil erhalten und muss nicht neu gefertigt werden.

Mit einer Einsparung von bis zu 90 % an Energie und Material handeln wir nicht nur umwelt- und ressourcenschonend, sondern senken z. B. pro Bauteil auch den CO2-Ausstoß um 50 % bis 90 %. Wir reduzieren zugleich unsere Kosten und können dies durch günstigere Preise gegenüber Neuteilen an unsere Kunden weitergeben. Im Berichtszeitraum haben wir das Remanufacturing weiter ausgebaut und bieten nun ein noch breiteres Portfolio von Austauschteilen an. Das Remanufacturing in der Serienphase wird von unseren Erstausrüstungskunden schon bei der Entwicklung der Komponenten gefordert, weil es sich um ein sinnvolles und ressourcenschonendes Prinzip handelt. Auch Werkstätten sind sehr daran interessiert, weil ihnen die aufbereiteten Produkte die Möglichkeit geben, ihren Kunden neben Neuteilen eine zusätzliche, hochwertige und zeitwertgerechte Produktlinie anzubieten.

Die Qualität der aufbereiteten Produkte hat für uns höchste Priorität. Darum werden die Verschleißteile ausschließlich durch neue Originalteile von Continental ersetzt. Bevor sie unser Werk verlassen, müssen die überholten Teile die gleichen Prüfungen bestehen wie die Serienteile. Weil sich mit nur 10 % des Energie- und Rohstoffaufwands 100 % der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit erzeugen lassen, wollen wir das Angebot an aufbereiteten Teilen weiter ausbauen.

Aktionsplan zum Schutz des Trinkwassers
Ökologische Probleme und wirtschaftliche Risiken sind eng miteinander verknüpft. Dies zeigt sich eindrucksvoll beim Thema Wasser. Rund 41 % der Weltbevölkerung leben heute in Regionen mit teils extremer Wasserknappheit, 800 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und in vielen Ländern gelangt Schmutzwasser immer noch ungeklärt in den Wasserkreislauf. Diese und andere Probleme werden sich durch den Klimawandel weiter verstärken. Dessen Auswirkungen sind spätestens dann auch für Unternehmen vor Ort wirtschaftlich spürbar. Um auf die zukünftigen Risiken vorbereitet zu sein und gleichzeitig einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten, werden wir die Wasserproblematik stärker in den umweltstrategischen Fokus rücken. Dafür wird 2017 ein Aktionsplan erarbeitet, der zum einen eine detaillierte Wasserrisikoanalyse beinhaltet und zum anderen regionsspezifische Zielsetzungen für die Standorte vorsieht.

Wasserverbrauch

Wasserverbrauch

Unser Beitrag zum G20/B20-Prozess
Im November 2016 hat unser Vorstandsvorsitzender, Dr. Elmar Degenhart, einen Co-Chair für die Taskforce „Energie, Klima und Ressourceneffizienz“ im Rahmen des B20-Prozesses (Business 20, B20) übernommen. Dr. Degenhart vertritt hier die gesamte Automobil- und Automobilzulieferindustrie. Die Gruppe der B20 repräsentiert die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20). Aufgabe der B20 ist es, die G20 durch konkrete Handlungsempfehlungen, Interessenvertretung und Know-how zu unterstützen. Die Schwerpunkte der Arbeit der Taskforce liegen darin, Handlungsempfehlungen für die Politik zu erarbeiten, die einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der Ziele des Übereinkommens der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 (COP 21) leisten. Dabei werden insbesondere der Beitrag der Automobilindustrie mit klimaschonenden Produkten und der verstärkte Ausbau der Digitalisierung sowie der damit verbundenen effizienten Fahrweise von Fahrzeugen im Fokus stehen.

Im Rahmen der Taskforce verfolgt Continental vorrangig den kombinierten Ansatz, d. h. einerseits den Emissionshandel zu erweitern und andererseits die daraus gewonnenen Gelder zweckgebunden in den Ausbau der Breitbandtechnologie für mehr Energieeffizienz und Emissionsverminderung zu investieren.

Durch den sektorenübergreifenden Ausbau der regenerativen Energien und der Versorgungsinfrastruktur hat die Automobilindustrie darüber hinaus die Aufgabe, ein möglichst hohes Potenzial an weiteren CO2-Reduzierungen zu erschließen. Beide Ansätze stärken die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie und ermöglichen es, nachhaltige und umweltfreundliche Produkte zu entwickeln.

Nachhaltigkeit in der Lieferkette
Nachhaltiges und umweltschonendes Wirtschaften auch in unserer Lieferkette ist ein wichtiger Bestandteil unserer Umweltstrategie. Wir fördern und fordern ein umfassendes Umweltmanagement bei unseren Lieferanten und unterstützen sie konkret bei der Entwicklung geeigneter Energie- und Umweltmanagementsysteme. An unseren mexikanischen Standorten Jalisco und Guanajato haben wir im Jahr 2015 eine Entwicklungspartnerschaft ins Leben gerufen und diese im Berichtsjahr weiter vorangetrieben. Im Rahmen des Projekts werden mexikanische Zulieferbetriebe in Bezug auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz geschult. 2016 haben wir insgesamt sechs Vor-Ort-Trainings durchgeführt, an denen Mitarbeiter und Umweltexperten unserer Lieferanten teilnahmen. Schwerpunktthemen der Workshops und Beratungen waren u. a. die Reduzierung von CO2-Emissionen, das Wassermanagement, die Abfallvermeidung sowie die Schulung zur Einführung von Umweltmanagementsystemen gemäß ISO 14001.

Umweltberichterstattung verbessert
Seit 2009 beantworten wir jährlich die umfassenden Fragen des CDP (Carbon Disclosure Project) zu unserem Engagement im Klimaschutz. Die Organisation veröffentlicht einmal im Jahr die Umweltdaten von Unternehmen und bewertet ihre Umweltleistung hinsichtlich des CO2-Ausstoßes. Basis der Veröffentlichung sind Unternehmensdaten und -informationen zu CO2-Emissionen, deren Risiken für das Klima sowie zu Strategien und Zielen der teilnehmenden Unternehmen, um die Emissionen zu vermindern. Im Anschluss bewertet das CDP die Unternehmen in Bezug auf die Transparenz der Datenermittlung, die Zielerreichung und die Managementverantwortung für globale Klimaziele.

Im Jahr 2016 konnte Continental erneut eine bessere Bewertung im Vergleich zum Vorjahr erreichen. Wir wurden von Level C auf B hochgestuft. Damit wird uns ein aktives Management zum Schutz des Klimas bescheinigt und wir gehören somit zu den besten Unternehmen im Automobilsektor.

CO2-Emissionen

CO2-Emissionen

Bewertung von Emissionen Dritter
Unsere Umweltberichterstattung basiert auf den Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI). Maßgeblich für die Datenerhebung sind unsere internen Richtlinien zur Umweltberichterstattung unter Berücksichtigung der spezifischen Gegebenheiten in der Automotive Group und der Rubber Group. Im Berichtsjahr haben wir neben den durch Verbrennung in unseren Anlagen sowie durch eingekaufte Energie verursachten CO2-Emissionen, genannt Scope 1 und Scope 2, auch die durch Dritte – durch deren erbrachte Dienstleistungen und von ihnen erworbene Vorleistungen – verursachten Emissionen (Scope 3) ermittelt. Darin sind die wesentlichen Quellen, d. h. Rohstoffverbrauch, Logistik und Transport, Abfälle sowie Vorkettenemissionen, unserer eingesetzten Energien eingeflossen. Ziel dieser Analyse ist es, ein besseres Verständnis für die durch unsere gesamte Geschäftstätigkeit verursachten Emissionen zu erlangen und Ansätze für weitere Reduzierungen zu ermitteln.

Energieverbrauch

Energieverbrauch

Kennzahlen mit klaren Zielen
Wir haben klare Ziele definiert: Bis zum Jahr 2020 wollen wir unsere CO2-Emissionen, den Energie- und Wasserverbrauch sowie die Abfallerzeugung – gemessen am bereinigten Umsatz und bezogen auf das Basisjahr 2013 – um 20 % verringern. Unsere Abfallverwertungsquote soll sich jährlich um 2 Prozentpunkte verbessern und die Zertifizierung nach der Umweltnorm ISO 14001 auch für unsere strategischen Lieferanten zur Pflicht werden. Vor diesem Hintergrund haben wir einen umfassenden Katalog an Einzelmaßnahmen definiert, die dem Ziel dienen, unsere Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern.

Alle Umweltkennzahlen wurden wie in den Vorjahren im Rahmen eines unabhängigen betriebswirtschaftlichen Audits von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft überprüft.

Abfallerzeugung und -verwertung

Abfallerzeugung und -verwertung

Nachhaltigkeit in der Produktion
Im Berichtsjahr haben wir den internen Green Label Plant Award erstmals weltweit verliehen. Seit 2015 wollen wir mit dieser Auszeichnung die Nachhaltigkeit in der Produktion innerhalb der Automotive Group steigern – insbesondere die Ressourceneffizienz bei Energie, Wasser und Abfall – sowie die Umweltleistungen weiter verbessern. Die Auszeichnung wird in Gold, Silber und Bronze verliehen, je nachdem, wie weit nachhaltiges Wirtschaften an den jeweiligen Standorten bereits etabliert ist. Bis 2020 sollen alle Produktionsstandorte mindestens den Bronze-Status erreichen – Ende 2016 waren es 28 %.

Auszeichnungen im Berichtsjahr
Im Oktober 2016 wurde uns der Materialica Design + Technology Award in Gold in der Kategorie CO2-Effizienz verliehen. Continental überzeugte die Jury mit einem besonders leichten Getriebeadapter, der durch den Einsatz von glasfaserverstärktem Polyamid weniger als die Hälfte als die Vorgängervariante aus Aluminium wiegt. Gewürdigt wurde der große Schritt, der Continental mit diesem Bauteil auf dem Gebiet der Leichtbautechnik gelungen ist. Die Komponente kommt vor allem in Pkw der Premiumklasse zum Einsatz, deren besondere Anforderungen an Komfort und Sicherheit bislang mit höherem Gewicht einhergingen. Durch die Verwendung leichterer und dabei hochfunktioneller Materialien können auch in diesem Fahrzeugsegment Treibstoff gespart und die Emissionen gesenkt werden. Zusätzlich wurde Continental für ihre Leichtbauteile mit dem Altair Enlighten Award 2016 und dem Lightweight Technology Innovation Award 2016 ausgezeichnet.

Gleich zwei Preise gewann im September unser Projekt Taraxagum – Reifen aus Löwenzahn-Kautschuk. Reifenprototypen aus Naturkautschuk aus Russischem Löwenzahn wurden auf der Automechanika in Frankfurt am Main mit dem Innovation Award und mit dem Green Award ausgezeichnet. Taraxagum stellen wir in innovativen Produktionsverfahren aus einem Latexsaft her, den wir aus Russischem Löwenzahn gewinnen. Durch Einsatz dieses neuartigen Kautschuks wird CO2 eingespart, da er direkt am Produktionsort angebaut werden kann – so entfallen lange Transportwege aus dem Kautschukgürtel rund um den Äquator. Erste Kleinserien der Reifen zeigen, dass Löwenzahn-Kautschuk mindestens ebenso leistungsfähig ist wie herkömmlicher Naturkautschuk.

In Nürnberg wurde Continental im Oktober für ein neues Blockheizkraftwerk mit dem Bayerischen Energiepreis 2016 ausgezeichnet. Die Anlage mit Kraft-Wärme-Kopplung wird mit Erdgas betrieben und spart jährlich die Energiemenge ein, die etwa 350 Haushalte verbrauchen würden. Neben Wärme und Kälte liefert sie 1,3 Megawatt Strom und deckt damit ein Drittel des Strombedarfs unseres fränkischen Standorts ab. Mit einem Nutzungsgrad von fast 80 % der eingesetzten Energie unterstützt das Kraftwerk unsere Pläne zur Reduktion des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen um durchschnittlich 20 % bis zum Jahr 2020.

Im November erhielt der Geschäftsbereich Benecke-Kaliko Group im Rahmen der Verleihung des Inovyn Award den Sonderpreis für Nachhaltigkeit. Ausgezeichnet wurde die energieerzeugende Abdeckung für Wasserreservoirs, „Dynactiv Power“. Die lichtundurchlässigen Folien eignen sich, um große Wasserflächen in Ländern mit langen Trockenperioden vor Verdunstung und Verschmutzung zu schützen. Dank dieser innovativen Abdeckung bleibt bis zu 40 % mehr Brauchwasser erhalten, mit dem z. B. Ackerflächen bewässert werden können. Mit den integrierten Solarmodulen können Haushalte oder Pumpstationen in der Umgebung gleichzeitig autark mit Strom versorgt werden.

Weiterführende Informationen zum Thema Umwelt und unseren GRI-Bericht finden Sie unter www.continental-nachhaltigkeit.de.

 

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