Konzernstrategie

 

Profitables Wachstum, innovative Produkte, hohe Qualität und ein wettbewerbsfähiges Kostenniveau sind die Grundlagen unserer Strategie.

Unsere Produkte machen das Autofahren sicherer, komfortabler und nachhaltiger. Wir verfügen über ein spezielles Know-how, wenn es um die Bremsen- und Sicherheitselektronik, die möglichst sparsame und umweltfreundliche Ausgestaltung des Antriebsstrangs und die Optimierung des Informationsflusses im Kraftfahrzeug sowie mit der Umwelt geht. Ob spezifische Entwicklungsleistung, einzelne Komponenten, Module oder gesamte Systeme – unsere Produkte orientieren sich unmittelbar an den Bedürfnissen der Automobilhersteller. Dadurch belegen wir im Wettbewerbsvergleich in vielen Bereichen eine Spitzenposition.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben wir mit dem Erwerb der Siemens VDO den Automotive-Bereich stark ausgebaut und damit einen bedeutenden Schritt in der strategischen Entwicklung der Continental unternommen. Es handelt sich dabei um die größte Akquisition in unserer Unternehmensgeschichte. Damit konnten wir uns als integrierter Systemanbieter maßgeblich weiterentwickeln und unsere Position als einer der weltweit führenden internationalen Automobilzulieferer deutlich verbessern.

Profitables Wachstum
Um in dem anspruchsvollen Marktumfeld, in dem wir uns bewegen, erfolgreich zu sein, bedarf es einer hohen Wettbewerbsfähigkeit. Durch kontinuierliches und profitables Wachstum wird sie nachhaltig gestärkt. Profitables Wachstum setzt innovative Produkte, eine hohe Qualität und ein möglichst niedriges Kostenniveau voraus. Wir werden auch zukünftig nur dann Erfolge erzielen, wenn wir diese Bedingungen erfüllen. Das Streben nach einer möglichst hohen Wettbewerbsfähigkeit folgt dem Anspruch, eine nachhaltige Wertsteigerung für Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und Aktionäre zu erreichen.

Wir wollen Wachstum aus eigener Kraft und durch gezielte Zukäufe erreichen, dabei streben wir ein organisches Umsatzwachstum von durchschnittlich 5 % pro Jahr an. Nach dem Kauf der Siemens VDO hat die Rückführung unserer Verschuldung in den kommenden Jahren oberste Priorität. Interessante Akquisitionsobjekte kommen für uns aber nach wie vor infrage. Ergänzungen für unsere beiden Reifen-Divisionen in der Region Asien würden deren weltweite Marktposition deutlich verbessern. Zur Stärkung der Division ContiTech sehen wir sowohl in Nordamerika als auch in Asien noch Handlungsbedarf.

Unser Wachstum wird in den kommenden Jahren in Asien einen regionalen Schwerpunkt haben. Damit wollen wir an der dort absehbaren positiven Nachfrageentwicklung nach Automobilen partizipieren. Bis 2015 wollen wir in dieser Region einen Umsatzanteil von 20 bis 25 % erreichen. Innerhalb Asiens sehen wir vor allem in China zusätzliches Umsatzpotenzial, gefolgt von Japan, Korea und Indien.

Innovative Produkte
2007 konnten wir unsere Kunden erneut mit einer größeren Anzahl von Produktinnovation überzeugen.

Mitte 2008 wird in der Division Chassis & Safety eine neue Generation von ESC-Steuergeräten in Serie gehen. Die Integration der für eine ESC-Regelung (Electronic Stability Control, ESC) erforderlichen Gierraten- und Beschleunigungssensoren direkt ins Steuergerät verringert den Bau- und Integrationsaufwand, erhöht die Zuverlässigkeit und senkt die Systemkosten. Uns ist es gelungen, diese Sensoren erheblich kleiner und gleichzeitig robuster zu gestalten. Die Automobilhersteller profitieren von dieser Innovation durch einen sinkenden Material- und Integrationsaufwand, da keine zusätzlichen Gehäuse, Leitungen und Stecker erforderlich sind. Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa wird unserer Meinung nach ESC in wenigen Jahren für jeden Neuwagen verpflichtend sein. ESC kann bei normalen Straßenbedingungen die Zahl der Unfälle um mehr als 20 % reduzieren, bei nassen oder vereisten Bedingungen sogar um 30 bis 40 %.

Ein weiteres Beispiel für unsere Innovationsfähigkeit ist eine neue Generation von Reifendruckkontrollsystemen, die Pkw und Nutzfahrzeuge sicherer, komfortabler und sparsamer machen. Ein an der Innenseite der Reifenlauffläche befestigtes Sensormodul bietet nicht nur mehr Betriebssicherheit, sondern sendet auch relevante Daten zu Reifentyp, Geschwindigkeits- und Last-Index ins Auto.

Elektronische Fahrhilfen wie ABS und ESC arbeiten dadurch effektiver. Durch einen zusätzlichen integrierten Radlastensensor lässt sich beispielsweise verschobene Ladung in einem Lkw oder Leichttransporter nach kurzer Fahrtstrecke erkennen. Ein Projektteam aus Experten der Divisionen Interior und den Reifen-Divisionen bringt das intelligente Reifensystem derzeit im Rahmen eines Entwicklungsauftrages zur Serienreife. Der Marktstart kann Ende 2009/Anfang 2010 erfolgen. Eine Kleinserie ist schon für 2008 geplant.

Dass sich Innovationen nicht nur auf unsere elektronischen Produktgruppen beschränken, zeigt der selbstdichtende Continental-Reifen, mit dem der neue Passat CC ab Werk ausgestattet wird. Mit ContiSeal haben wir ein System entwickelt, das trotz eingedrungener Nägel oder Schrauben die Weiterfahrt ermöglicht: Eine Schutzschicht auf der Innenseite der Reifenlauffläche dichtet die beim Eindringen von Schrauben und Nägeln entstehenden Löcher sofort ab. So kann keine Luft entweichen. Die Abdichtung funktioniert bei nahezu allen Undichtigkeiten, die von Gegenständen bis zu 5 Millimeter Durchmesser hervorgerufen werden. So können rund 85 % der üblicherweise auftretenden Reifenpannen vermieden werden und der Fahrkomfort weitestgehend aufrechterhalten werden.

Innovationen, die den Umweltaspekt in den Mittelpunkt rücken, sind neben beispielweise Direkteinspritzungssystemen oder rollwiderstandsoptimierten Reifen zur Senkung des CO2-Ausstoßes Hybridmotoren. Hybridantriebe in Verbindung mit den herkömmlichen Antriebsvarianten (Diesel- oder Otto-Motor) können dazu beitragen, den Benzinverbrauch zu senken und damit auch den CO2-Ausstoß um bis zu 25 % zu reduzieren. Mithilfe unseres innovativen Baukastenkonzeptes sind wir, in Zusammenarbeit mit unserem Partner ZF, heute in der Lage, die gesamte Bandbreite an Hybridvarianten (Mild-, Full-, Plug-in-Hybrid) anzubieten. Continental liefert dabei im Wesentlichen die elektrische Maschine, die Leistungselektronik und den Energiespeicher und damit einen entscheidenden Beitrag zu Realisierung des Gesamtsystems. 2007 ist es uns darüber hinaus gelungen, den Baukasten um Batterietechnologien auf Lithium-Ionen-Basis zu erweitern. Nicht zuletzt hat das in der jüngeren Vergangenheit dazu geführt, dass wir rund zwei Drittel aller vergebenen Entwicklungsaufträge für Hybridlösungen weltweit außerhalb von Japan gewinnen konnten.

Unsere ausgeprägte Innovationstätigkeit zeigt sich auch in der Division ContiTech am Beispiel Antriebsriemen.

Die Anforderungen an moderne Antriebsriemen werden stetig größer. Vor allem müssen sie immer länger halten. Moderne Zahnriemensteuertriebe sind heute für eine Laufleistung von 240.000 bis 300.000 Kilometer ausgelegt. Die ContiTech Power Transmission Group bietet zwei Innovationen an, die für spezielle Einsätze im Motor entwickelt wurden und sich als besonders robust und haltbar erweisen: der Conti Oil Runner-Zahnriemen, der als Alternative zum Kettentrieb auch in Ölumgebung läuft, und der Keilrippenriemen Conti Unipower Tough Grip, der auch bei Schiefstellung anderer Komponenten im Riementrieb zuverlässig arbeitet. Durch die neuen Antriebsriemen werden die Reibungsverluste deutlich verringert. Dadurch sinkt der Kraftstoffverbrauch und damit der CO2-Ausstoß. Ein weiterer Vorzug ist die verminderte Geräuschentwicklung. Die Innovationen sind also auch ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz.

Mit kreativen Ergänzungen unseres Produktprogramms werden wir auch in Zukunft unsere Wettbewerbsfähigkeit untermauern. Wir sehen dafür ein deutlich gewachsenes Potenzial, denn mit der Akquisition der Siemens VDO ist eine Vielzahl neuer Technologien hinzugekommen. Sie haben unser Know-how in allen relevanten Bereichen gestärkt. Zu nennen sind hierbei insbesondere Direkteinspritzungstechnologien für Diesel- und Benzinmotoren, aber auch Ergänzungen im Bereich der passiven Sicherheit, die unseren Bemühungen der Integration aktiver und passiver Sicherheitstechnologien einen neuen Schub verleihen werden. Nicht zuletzt erlaubt uns das von Siemens VDO erworbene Know-how im Bereich der Instrumentierung und Sekundär-Displays unsere Lösungen im Bereich Informationstechnologien zu erweitern.

Hohe Qualität
Die Ansprüche von Kraftfahrzeugkäufern sind heute höher denn je. Daneben sind die gesetzlichen Bestimmungen immer strenger geworden und die Produkthaftungsanforderungen gestiegen. Das hat die Qualitätsanforderungen auf allen Stufen des Produktionsprozesses deutlich erhöht.

Wir müssen als Zulieferer den Anforderungen der Automobilhersteller gerecht werden, um auch zukünftig als kompetenter Partner anerkannt zu sein. Das erreichen wir durch ein effizientes Qualitätsmanagementsystem und kontinuierliche Verbesserungsprozesse. Zahlreiche Auszeichnungen unserer Kunden unterstreichen das bisher erreichte Qualitätsniveau und damit den Erfolg unserer kontinuierlichen Bemühungen. Insbesondere die Division ContiTech konnte in verschiedensten Geschäftsbreichen Auszeichnungen vermelden: So sind die Power Transmission Group und Gumimüvek Phoenix Hungaria, Ungarn, von Volkswagen als Lieferant des Jahres ausgezeichnet worden. Die Mündener Gummiwerke (MGW) haben von MAN im Jahr 2007 ebenfalls den Lieferantenpreis gewonnen. Besonders hervorzuheben ist der Geschäftsbereich ContiTech Vibration Control, der von GM zum vierten Mal in Folge als Lieferant des Jahres ausgezeichnet wurde. Die Division Pkw-Reifen ist beispielsweise von Subaru of Indiana Automotive im Jahr 2007 mit dem „Quality Achievement and Delivery Award“ ausgezeichnet worden.

Wettbewerbsfähiges Kostenniveau
Neben kontinuierlichem Wachstum ist ein möglichst niedriges Kostenniveau die wichtigste Voraussetzung für unsere Wettbewerbsfähigkeit. Kostenbewusstes Handeln ist für uns in allen Bereichen von grundlegender Bedeutung, da die Automobilhersteller von uns als Zulieferer jährliche Preissenkungen in der Größenordnung von 3 bis 5 % erwarten. Das Kostenbewusstsein betrifft sowohl die konstruktive und technische Auslegung unserer Produkte als auch die Beschaffung von Rohstoffen und Bauteilen. Bedeutend ist ebenso die Organisation der Produktion, des Vertriebs und der allgemeinen Verwaltung einschließlich des erforderlichen Personaleinsatzes.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr sind vielfältige Maßnahmen zur Kostenreduzierung umgesetzt worden. An unseren deutschen Standorten wurde beispielsweise eine deutliche Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit bei gleichbleibender Vergütung erreicht. Ferner konnten unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Niedrigkostenstandorten forciert werden. Mit dem stetig gestiegenen Produktionsvolumen in unserem Reifenwerk in Camaçari, Brasilien, und durch die Akquisition der Matador-Gruppe mit Sitz in Puchov, Slowakei, erhöhte sich außerdem der Produktionsanteil der Niedrigkostenstandorte in den Reifen-Divisionen.

Die kontinuierliche Reduktion unseres Kostenniveaus bleibt auch nach der Akquisition der Siemens VDO unser Ziel. Der Anteil der Niedrigkostenstandorte an der Produktion soll weiter erhöht werden. Außerdem gilt es, die sich aus der Kombination beider Unternehmen entstehenden Synergien im Einkauf, bei Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie im Verkauf und in Bereichen der Verwaltung auszuschöpfen.

Positive Marktentwicklung
Mit unserer gegenwärtigen Marktausrichtung sehen wir uns hervorragend positioniert, um die positiven Entwicklungen in der Automobilindustrie für unser Umsatzwachstum nutzen zu können.

Zunächst ergibt sich für Continental ein Wachstumspotenzial aus der fortschreitenden Globalisierung der Automobilindustrie. Mit der weitestgehenden Stagnation der Automobilnachfrage in den Industrieländern erweitern die Automobilhersteller ihre Präsenz in den neuen Märkten Osteuropas, Asiens und Lateinamerikas. Zwischenzeitlich hat sich nicht nur der Absatz in diesen Regionen erhöht, sondern auch die Produktionskapazität. Gleichzeitig setzen Hersteller für die produzierten Modelle der unterschiedlichen Marken immer häufiger Fahrzeugplattformen als einheitliche Basis ein. Für die Automobilzulieferindustrie resultiert daraus eine stetig wachsende Nachfrage nach Fahrzeugbestandteilen in Osteuropa, Asien und Lateinamerika, die in neuen Fertigungsstätten mit zum Teil neuen Produktionsverfahren jeweils vor Ort hergestellt werden müssen. Daraus resultiert ein stetig steigender Investitions- und Finanzierungsbedarf, der den Konsolidierungsprozess in der Zulieferindustrie weiter vorantreibt. Größere Automobilzulieferer sind dabei eindeutig im Vorteil. Als einer der weltweit größten Zulieferer können wir diesen Konsolidierungsprozess in der Automobilzulieferindustrie durch Akquisitionen aktiv vorantreiben.

Nicht nur in der globalen Verlagerung von Produktionskapazitäten steckt Wachstumspotenzial. Es ist außerdem davon auszugehen, dass elektrische und elektronische Bauteile im Vergleich zu allen anderen Kfz-Komponenten in den kommenden Jahren besonders gefragt sein werden. Bereits heute machen elektronische Bauteile und Komponenten 20 % des gesamten Fahrzeugwertes aus.

Marktforschungsinstitute rechnen damit, dass dieser Anteil auf rund 40 % im Jahr 2015 zunehmen wird. Etwa 75 % aller Innovationen werden daher der Elektronik zugeschrieben. Aufgrund unserer vielfältigen Kompetenz im Bereich der Fahrzeugelektronik eröffnet uns diese Entwicklung zusätzliche Chancen. Dies gilt umso mehr, als wir nun mit Siemens VDO weiteres Spezialwissen auf diesem Gebiet hinzugewonnen haben.

Daneben gibt es spezifische globale Entwicklungen, die für uns von besonderer Bedeutung sind. Einerseits gewinnen die Fahrsicherheit, die vernetzte Kommunikation bei Kraftfahrzeugen und die Reduktion des Kraftstoffverbrauchs bzw. CO2-Ausstoßes eine immer größere Bedeutung. Andererseits werden Fahrzeuge eines neuen Typs, sogenannte „Affordable Cars“, für Entwicklungsbzw. Schwellenländer immer konkreter.

Produktion an Niedrigkostenstandorten
in % Europa Welt ohne Europa
  2007 2006 2007 2006
Chassis & Safety* 27 25 56 49
Powertrain* 15 13 14 3
Interior* 15 12 83 68
Pkw-Reifen** 56 56 62 55
Nfz-Reifen** 68 66 23 17
ContiTech* 21 18 48 41

Die Sicherheit eines Kraftfahrzeugs ist für die Kaufentscheidung ein zentrales Kriterium geworden. Das gilt vor allen für Europa und die USA. In einzelnen Ländern zählen Sicherheitsaspekte schon zu den kaufentscheidenden Faktoren, wie Umfragen belegen. Daneben sind weitere behördliche Anstrengungen zur Verbesserung der Sicherheit im Straßenverkehr zu beobachten.

Die EU-Kommission hat sich das Ziel gesetzt, die Anzahl der Unfälle mit Todesfolgen von rund 40.000 im Jahr 2000 bis 2010 auf die Hälfte zu reduzieren. Darüber hinaus will sie die elektronische Stabilitätskontrolle (ESC) für alle neuen Kraftfahrzeuge zur Pflicht machen. Ferner versucht die EU-Kommission den Einbau eines Systems vorzuschreiben, das im Falle eines Fahrzeugunfalls automatisch einen Notruf (E-Call) sendet, bei dem der Ort und das Ausmaß des Unfalls direkt an die Rettungskräfte übermittelt werden. In den USA sind die behördlichen Anstrengungen zur Verbesserung der Sicherheit im Straßenverkehr schon weiter als in Europa. Um eine deutliche Reduzierung der Zahl der Verkehrstoten zu erreichen, wurde im vergangenen Jahr der Einsatz der elektronischen Stabilitätskontrolle ab 2011 für fast alle in den USA verkauften Personenwagen durchgesetzt. Unsere Position in diesem Wachstumsfeld hat sich im vergangenen Jahr durch die Akquisition der Siemens VDO noch einmal deutlich verbessert. Wir verfügen nun auch über Airbag-Technologien und über weitreichende Kompetenzen zur Integration von aktiver und passiver Sicherheit von Fahrzeugen.

Bei unseren Bemühungen der Integration von aktiver und passiver Sicherheit haben wir mit unserem neuen System ContiGuard einen weiteren Schritt unternommen. ContiGuard ist ein intelligentes Sicherheitssystem, bei dem alle aktiven und passiven sicherheitsrelevanten Funktionen komplett miteinander vernetzt sind. Den Kern des Systems bildet ein Gefahrenrechner, der in jeder Verkehrssituation die Unfallwahrscheinlichkeit ermittelt. Modernste Kamera- und Sensortechnik hilft bei der Abschätzung. In entsprechenden Abstufungen werden anschließend Maßnahmen eingeleitet, die einen Unfall komplett vermeiden oder zumindest die Unfallfolgen auf ein Minimum reduzieren. Das Konzept wurde gezielt für einen kontinuierlichen Ausbau ausgelegt, in ContiGuard steckt also noch sehr viel Zukunftspotenzial. Schon heute sind Teilsysteme in der Serienproduktion. Die Schnittstellen sind so definiert, dass eine Integration externer Systeme problemlos möglich ist.

Mit der stetig steigenden Zahl von Elektronikkomponenten in Kraftfahrzeugen entsteht eine neue Herausforderung in der Automobilindustrie. Die große Zahl der Komponenten einerseits und die steigenden Ansprüche der Autofahrer im Hinblick auf Bedienung, Funktion und Sicherheit andererseits erfordern immer häufiger die Auseinandersetzung mit der vernetzten Kommunikation für Fahrzeuge. Die Information muss in das Fahrzeug gelangen, sie muss dort aufbereitet und natürlich auch aus dem Auto heraus übermittelt werden – an andere Fahrzeuge oder auch mögliche Verkehrssteuerungssysteme in der Umgebung. Die Vielzahl der unterschiedlichen Informationen, die in modernen Kraftfahrzeugen kontinuierlich verarbeitet werden, erfordert eine immer anspruchsvollere Auswahl bei der Verarbeitung und Präsentation für den Fahrer. Mit unseren Aktivitäten in den Bereichen Multimedia, Instrumentierung und Displays bis hin zur Fahrzeug-Connectivity sind wir nach der Akquisition der Siemens VDO deutlich besser aufgestellt, um uns in diesem Wachstumsfeld positiv zu entwickeln.

Vor dem Hintergrund der stetig wachsenden Umweltbelastungen und der fortlaufenden Klimadebatte richtet sich das allgemeine Interesse sehr stark auf die Emission von Schadstoffen im Straßenverkehr, insbesondere die CO2-Emission. So strebt die EU-Kommission eine Absenkung der CO2-Emissionen auf 120 g/km bis ins Jahr 2012 an. Längerfristig besteht sogar das Ziel, diesen Wert auf 95 g/km zu senken. In den USA sieht die Neuregelung des durchschnittlichen Flottenverbrauchs (CA-FE Standards, Corporate Average Fuel Economy) eine Verbesserung der pro Gallone gefahrenen Meilen um 40 % von 25 auf 35 mpg (entspricht etwa einer Absenkung von 219 g/km auf 156 g/km) ab dem Jahr 2020 vor. Japan hat sich das Ziel gesetzt, die pro Liter gefahrene Kilometerleistung für Pkw um 23,5 % auf 16,8 km/l zu steigern, was einer Absenkung des CO2 im selben Ausmaß entspricht. Da eine Verringerung der CO2-Emission bei Verbrennungsmotoren maßgeblich nur durch die Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs erreicht werden kann, sind alle Automobilhersteller gezwungen, nach zusätzlichen Reduzierungsmöglichkeiten zu suchen, ohne dabei den Fahrspaß einzuschränken. Der Motor oder das Kraftfahrzeug als Einheit bietet dafür viele Ansatzpunkte. In beiden Bereichen können wir der wachsenden Nachfrage unserer Kunden gerecht werden. Mit Piezo-Einspritzsystemen oder Hybrid-Antriebssystemen bieten wir zum Beispiel zwei zukunftsträchtige Lösungen für Verbrennungsmotoren an. Daneben können Doppelkupplungsgetriebe, für die wir elektronische Steuerungen anbieten, etwas bewirken. Zusätzliches Potenzial steckt in rollwiderstandsoptimierten Reifen oder Steuerriemen für den Verbrennungsmotor.

Ein weiteres Wachstumssegment im Automobilgeschäft des nächsten Jahrzehnts werden die sogenannten „Affordable Cars“ (erschwingliche Fahrzeuge) sein – speziell in den Zukunftsmärkten Asiens, aber auch in Brasilien und Russland. Die Produktion von Autos, die den Endverbraucher weniger als 10.000 Euro kosten, wird vor allem in Indien und China bis zum Jahr 2017 von derzeit rund 6,5 Mio Stück auf etwa 11 Mio ansteigen, was einem Zuwachs um 70 % entspricht. Auch für Osteuropa und Südamerika werden deutliche Zuwächse prognostiziert, so dass sich das Gesamtvolumen der „Affordable Cars“ bis 2017 auf rund 14 Mio Einheiten weltweit summiert. Die Vorgehensweise bei der Entwicklung neuer Produkte für diese Märkte unterscheidet sich grundsätzlich von der in Europa, den USA oder Japan. Während wir in den klassischen Automobilländern das Ziel haben, technische Innovationen und damit Produkte mit Alleinstellungsmerkmalen zu schaffen, verläuft der Entwicklungsprozess für die neuen Märkte genau umgekehrt. Hier gilt es, Produkte mit neuen, alternativen Anforderungen zu entwickeln, denn nur diese sind in den entsprechenden Märkten auch wettbewerbsfähig. Darauf muss der Entwicklungsprozess angepasst werden. Wir arbeiten in allen Geschäftsbereichen an solchen Konzepten und setzten sie zum Teil bereits erfolgreich um. Gegenwärtig liefern wir beispielsweise die Benzinpumpe und den Tanksensor für den Tata Nano in Indien. Ferner rüsten wir den Dacia Logan mit Bremssystemen und Airbags aus. Auch mit der Akquisition von AP Italia verfügen wir nun auch über zusätzliches Know-how bei der in diesen Fahrzeugen häufig eingesetzten Trommelbremse. Für die nahe Zukunft ist außerdem ein preisgünstiger Reifen für dieses Fahrzeugsegment geplant.

Konsequentes unternehmerisches Handeln
Die Continental setzt sich aus einer großen Zahl von Geschäftsbereichen zusammen. Sie sollen jeweils unabhängig unternehmerisch handeln. Dabei erhalten sie Unterstützung durch den Konzernvorstand und entsprechende Konzernfunktionen. Wir sind davon überzeugt, dass nur in führenden Wettbewerbspositionen nachhaltig profitables Wachstum generiert werden kann. Deshalb werden langfristig nur solche Geschäftsbereiche im Continental-Konzern verbleiben, die dies erreichen. In Fällen, in denen das nicht mit einem überschaubaren unternehmerischen Risiko gelingt, wird es zur Trennung oder Aufgabe kommen. Im Berichtsjahr haben wir uns deshalb unmittelbar nach der Akquisition der Siemens VDO zum Verkauf des Geschäftsbereichs für Elektromotoren entschlossen, der neben den Aktivitäten der ehemaligen VDO auch unsere eigenen Aktivitäten umfasste.

Der Konzern soll als Einheit so entwickelt werden, dass er der zyklischen Automobilindustrie nicht zu sehr ausgesetzt ist. Der entsprechende Umsatzanteil soll deshalb 60 % nicht übersteigen. Die Akquisition der Siemens VDO im abgelaufenen Geschäftsjahr wird eine deutliche Steigerung dieses Anteils zur Folge haben. Wir streben deshalb an, unser Geschäft außerhalb der Automobilindustrie mittelfristig so zu stärken, dass die Marke von 60 % wieder erreicht wird.

Wertmanagement
Als Unternehmenssteuerungsgröße verwendet Continental auf allen Managementebenen den prozentualen Return on Capital Employed (ROCE) als Kapitalrendite und die Continental Value Contribution (CVC) als absoluten Wertbeitrag sowie die Veränderung des absoluten Wertbeitrags im Vergleich zum Vorjahr. Anhand der Veränderung des absoluten Wertbeitrags, gemessen durch Delta CVC, verfolgen wir, inwieweit Managementeinheiten wertschaffend wachsen oder Ressourcen effizienter einzusetzen sind.

Wertmanagement: Steigerung der Kapitalrendite

Wertmanagement: Steigerung der Kapitalrendite

Wertschaffung für Aktionäre
Nur eine nachhaltige Wertschaffung für unsere Aktionäre gewährt eine positive Kursentwicklung für unsere Aktie und damit vergleichsweise geringe Kapitalkosten und einen hohen Unternehmenswert.

 

EBIT. Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern (Earnings Before Interest and Taxes). Wir verstehen EBIT als Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, korrigiert um den Zinssaldo. Seit 2002 entspricht durch den Wegfall von planmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill das EBITA dem EBIT.

Asset-Backed-Securitization-Programm. Im Rahmen dieser Programme werden Forderungen aus Lieferungen und Leistungen pro Land zusammengefasst und jeweils als Pool an Finanzierungsgesellschaften verkauft, die sich durch Ausgabe von Commercial Papers am Kapitalmarkt refinanzieren.

Ausschüttungsquote. Die Ausschüttungsquote ergibt sich aus dem Verhältnis der Dividende für das Geschäftsjahr zum Ergebnis pro Aktie.

Continental Value Contribution (CVC). stellt den absoluten Wertbeitrag sowie Delta CVC die Veränderung des absoluten Wertbeitrags im Vergleich zum Vorjahr dar. Um den Wertbeitrag zu messen, wird vom RoCE die erforderliche Mindestverzinsung subtrahiert. Diese Mindestverzinsung wird von dem für den Continental- Konzern errechneten durchschnittlichen, gewichteten Kapitalkostensatz (WACC) abgeleitet. Zur Berechnung des CVC wird der durchschnittliche, gewichtete Kapitalkotensatz vom RoCE subtrahiert und mit den operativen Aktiva zum Stichtag multipliziert. Anhand der Veränderung des absoluten Wertbeitrags, gemessen durch Delta CVC, verfolgen wir, inwieweit Managementeinheiten Wert schaffend wachsen oder Ressourcen effizienter einzusetzen sind.

Defined Benefit Obligation (DBO). Barwert aller verfallbaren und unverfallbaren erdienten Ansprüche auf der Basis des geschätzten Gehaltsniveaus zum Zeitpunkt der Pensionierung. Das einzige versicherungsmathematische Verfahren, nach dem die DBO ermittelt werden darf, ist das Anwartschaftsbarwertverfahren (Projected Unit Credit Method). Die DBO entspricht der PBO (Projected Benefit Obligation).

Derivative Finanzinstrumente. Hierbei handelt es sich um Geschäfte, mit denen Zins- und/oder Währungsrisiken gesteuert werden.

EBITA. EBIT vor planmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill.

Finanzierungsleasing. Beim Finanzierungsleasing überträgt der Leasinggeber das Investitionsrisiko auf den Leasingnehmer. Der Leasinggeber trägt somit nur das Kreditrisiko und eventuell vereinbarte Dienstleistungen. Der Leasingnehmer ist wirtschaftlicher Eigentümer des Vermögensgegenstandes. Kennzeichen solcher Verträge ist eine feste Grundmietzeit, innerhalb derer eine Kündigung durch den Leasingnehmer ausgeschlossen ist.

Gearing Ratio. Die Nettofinanzschulden dividiert durch das Eigenkapital ergeben die Gearing Ratio.

Hedgegeschäft. Absicherung einer Transaktion gegen Risiken wie beispielsweise Wechselkursschwankungen oder Veränderungen in den Rohstoffpreisen durch Abschluss eines gegenläufigen Sicherungsgeschäftes, gewöhnlich in der Form eines Termingeschäftes.

IAS. International Accounting Standards. Die früheren, zum Teil noch gültigen Bilanzrichtlinien, herausgegeben vom IASB.

IFRIC. International Financial Reporting Interpretations Committee. Ausschuss zur Bestimmung von Anwendungssachverhalten im Rahmen bestehender IFRS bzw. IAS.

IFRS. International Financial Reporting Standards. Die herausgegebenen Bilanzrichtlinien des IASB.

Nettofinanzschulden. Die Nettofinanzschulden ergeben sich aus dem Saldo der zinspflichtigen bilanzierten Verbindlichkeiten und der vorhandenen liquiden Mittel sowie den Marktwerten der derivativen Finanzinstrumente.

Operative Aktiva. Als operative Aktiva gelten die Aktiva der Bilanz, ohne Berücksichtigung der flüssigen Mittel sowie der kurz- und langfristigen Derivate, aktiven latenten Steuern und Ertragsteuerforderungen und anderen finanziellen Vermögenswerten, zuzüglich der diskontierten Wechsel aus Lieferungen und Leistungen, abzüglich der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Operating Leasing. Eine Form des Leasing, die der Miete weitgehend ähnlich ist. Die bilanzielle Zurechnung und Aktivierung des Leasingobjekts erfolgt beim Leasinggeber.

Rating. Standardisierte Kennziffer auf den internationalen Finanzmärkten zur Beurteilung und Einstufung der Bonität eines Schuldners. Die Einstufung resultiert aus der wirtschaftlichen Analyse des Schuldners durch spezialisierte Ratingunternehmen.

ROCE. Verzinsung des eingesetzten Kapitals (Return On Capital Employed). Wir definieren RoCE als das Verhältnis von EBIT zu operativen Aktiva zum Stichtag.

SIC. Standing Interpretation Committee (Vorgänger des International Financial Reporting Interpretations Committee, IFRIC).

US GAAP. United States Generally Accepted Accounting Principles (US-amerikanische Rechnungslegung). Diese Regelungen werden in verbindliche und richtungsvorgebende Regelungen zur Rechnungslegung eingeteilt.

Währungsswap (Currency Swap). Tausch von Kapitalbeträgen in unterschiedlichen Währungen. Wird oft bei der Emission von Anleihen eingesetzt, bei denen die Emissionswährung nicht der Landeswährung des Emittenten entspricht.

Zinsswap. Ein Zinsswap ist der Austausch von Zinszahlungen zwischen zwei Partnern. Dadurch können z. B. variable Zinsen in feste getauscht werden oder umgekehrt.