Branchenentwicklung

 

Die nachfolgenden Angaben über Inflations- und Wachstumsraten des Jahres 2007 geben den Stand der Schätzungen bei Drucklegung dieses Geschäftsberichts wieder.

Das weltweite Geschäft der Erstausrüstung mit Herstellern von Automobilen ist für uns als internationaler Automobilzulieferer das wichtigste Marktsegment. Daneben sind jedoch auch das Segment der weltweiten Erstausrüstung von Nutzfahrzeugen sowie die Ersatzmärkte für Pkw- und Nutzfahrzeugreifen in West- und Zentraleuropa sowie in der NAFTA-Region von besonderer Bedeutung. Als Teil der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im Berichtsjahr zeigten diese Marktsegmente einen ganz unterschiedlichen Verlauf.

Automobilproduktion
Maßgeblich für unser Geschäft mit der Erstausrüstung von Fahrzeugen des Light-Vehicle-Segments (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge) ist das weltweit produzierte Fahrzeugvolumen. Mit 69,9 Mio produzierten Fahrzeugen ergab sich für 2007 eine Steigerung in Höhe von 5,4 % gegenüber 2006. 2006 war das weltweit produzierte Fahrzeugvolumen um 4,6 % gewachsen.

Die Fahrzeugproduktion in unseren bedeutendsten Absatzregionen wies 2007 unterschiedliche Entwicklungen auf. Die Fertigung in Westeuropa stieg zum ersten Mal seit 2002 um 1,4 % auf 16,1 Mio Fahrzeuge und lag damit über unserer Prognose von 15,9 Mio Einheiten. In der NAFTA-Region wurden nur 15,0 Mio Fahrzeuge im Light-Vehicle-Segment produziert. Damit fiel das Volumen in dieser Region nochmals um 1,9 % schwächer aus als 2006 und lag ebenfalls unter den von uns prognostizierten 15,3 Mio Einheiten. In Summe konnte der Anstieg in Westeuropa den Rückgang in der NAFTA-Region nicht kompensieren, weshalb sich der Produktionsverlauf in diesen beiden Regionen negativ auf unseren Geschäftsverlauf ausgewirkt hat.

Die Produktion in anderen Absatzregionen ist 2007 im Vergleich zu 2006 erneut angestiegen. Dabei zeigte die Region Osteuropa mit einem Zuwachs von 17,7 % eine hohe Dynamik. Damit wird die Bedeutung dieser Region als Produktionsstandort immer gewichtiger: 2007 stieg die Zahl der produzierten Fahrzeuge auf 5,8 Mio Einheiten. So hat sich der Anteil der produzierten Fahrzeuge in Osteuropa gegenüber 2001 mehr als verdoppelt und beträgt mittlerweile 26 % an der europäischen Fahrzeugproduktion. In Südamerika betrug der Zuwachs der produzierten Fahrzeuge 18,3 % und lag bei 3,5 Mio Einheiten. In Asien verlangsamte sich das Wachstum gegenüber 2006 um etwa 2 %. Dennoch stieg das Fertigungsvolumen um 7,9 % (Vj. 10,3 %) auf 27,6 Mio Einheiten. Mit in dieser Zahl enthalten ist das Produktionsvolumen in Japan, das mit aktuell fast einem Drittel aller produzierten Fahrzeuge noch immer einen bedeutenden Anteil in dieser Region ausmacht. In China stieg die Pkw-Produktion um 25 % auf knapp 5 Mio Einheiten.

Produktion Pkw, Kombifahrzeuge, leichte Nutzfahrzeuge (< 6 t)** in Mio Stück
  2007* 2006 2005 2004 2003
Westeuropa 16,1 15,9 16,1 16,4 16,4
Osteuropa 5,8 4,9 4,2 3,9 3,3
NAFTA-Region 15,0 15,3 15,7 15,7 15,9
Südamerika 3,5 3,0 2,8 2,5 1,9
Asien 27,6 25,6 23,2 21,5 20,0
Afrika und Mittlerer Osten 1,8 1,6 1,4 1,3 1,1
Gesamt 69,9 66,3 63,4 61,3 58,6

Nutzfahrzeugproduktion
2007 ist auch das Produktionsvolumen von Nutzfahrzeugen erneut gewachsen. Mit 2,44 Mio Einheiten wurde, trotz eines drastischen Einbruchs auf dem NAFTA-Markt, eine Steigerung in Höhe von 4,4 % erreicht. Damit wurden die in unserer letztjährigen Prognose unterstellten 2,1 Mio Einheiten deutlich übertroffen. Die für uns besonders wichtigen Absatzmärkte in Westeuropa und der NAFTA-Region entwickelten sich sehr unterschiedlich. Die Produktion in Westeuropa stieg um 7,7 % auf 517.000 Einheiten und lag damit deutlich über unseren Erwartungen. Diese Entwicklung wurde durch eine ungebrochen hohe Nachfrage in Osteuropa noch gestützt. Das Plus lag in diesem Markt bei 9,3 % auf 153.000 Einheiten. In der NAFTA-Region führten die vorgezogenen Nutzfahrzeugkäufe des Jahres 2006, die in Erwartung der neuen Emissionsvorschriften in den USA im Jahr 2006 noch zu einem Produktionsplus von 10 % geführt hatten, im Jahr 2007 zu einem Rückgang von 32,9 % auf 436.000 Einheiten. Damit hat sich unsere zu Jahresbeginn geäußerte Befürchtung in Bezug auf den Absatzmarkt NAFTA mehr als bestätigt. In Summe ergibt sich daraus für diese beiden Absatzregionen ein Minus von rund 150.000 Einheiten, was unsere Geschäftsentwicklung negativ belastet hat.

Die übrigen Absatzmärkte zeigten eine positive Dynamik: In Südamerika stieg die Produktion von Nutzfahrzeugen um 23 % auf 123.000 Einheiten. Das Volumen der produzierten Nutzfahrzeuge in der Region Asien legte ebenfalls deutlich zu. Mit 1,2 Mio Nutzfahrzeugen wurden 25 % mehr produziert als noch im Vorjahr. Die Entwicklung auf beiden Märkten übertraf unsere Erwartungen deutlich.

Produktion Nutzfahrzeuge (> 6 t) ** in Tsd Stück
  2007* 2006 2005 2004 2003
Westeuropa 517 480 460 430 380
Osteuropa 153 140 130 120 90
NAFTA-Region 436 650 590 490 360
Südamerika 123 100 110 100 70
Asien 1.213 970 950 990 790
Gesamt 2.442 2.340 2.240 2.130 1.690

Ersatzgeschäft Pkw-Reifen
Von großer Bedeutung für das Ersatzgeschäft mit Pkw-Reifen sind für uns vor allem die Märkte in West-, Ost- und Zentraleuropa sowie in der NAFTA-Region. Dabei konnten beide Märkte gegenüber dem Vorjahr Zuwächse verzeichnen.

Die Anzahl der verkauften Pkw-Reifen stieg in West-, Zentral- und Osteuropa, trotz eines in Summe schwachen Winterreifengeschäftes in Europa, um 1,6 % auf 291,5 Mio Einheiten. Während das Geschäft in Westeuropa nahezu stagnierte, sorgte auch hier die Region Zentral- und Osteuropa für den Anstieg des Volumens in Höhe von 1,6 % gegenüber 2006. Allerdings bedeutet dies den geringsten Zuwachs innerhalb der vergangenen fünf Jahre. In der NAFTA-Region konnte, nach dem schwachen Jahr 2006 (-3,3 %), wieder ein Zuwachs bei den Absatzzahlen von 2,2 % auf 270,6 Mio verzeichnet werden. Unsere Hoffnungen auf eine Belebung des Geschäfts in dieser Region haben sich damit bestätigt. Auch im Pkw-Reifenbereich zeigten die asiatischen Märkte die größten Volumenzuwächse. Mit einem Plus von 7,2 % auf 211,1 Mio Stück wurde das starke Wachstum aus dem Vorjahr (6,7 %) noch einmal übertroffen.

Absatz im Ersatzgeschäft Pkw-Reifen
(inkl. Reifen für leichte Nutzfahrzeuge und allradgetriebene Fahrzeuge)
Mio Stück 2007* 2006 2005 2004 2003
West- und Zentraleuropa 291,5 287,1 273,8 265,6 254,9
NAFTA-Region 270,6 264,9 274,0 269,6 260,5
Asien 211,1 196,9 184,6 172,1 157,7

Ersatzgeschäft Lkw-Reifen
Das Volumen in den Märkten der Regionen West-, Zentral- und Osteuropa sowie in der NAFTA-Region ist auch für unser Ersatzgeschäft mit Lkw-Reifen von besonders großer Bedeutung. 2007 ist das Volumen in West-, Zentral- und Osteuropa um 3,9 % auf 20,7 Mio Reifen gestiegen. Treiber waren auch hier die Regionen Zentral- und Osteuropa, die im Wesentlichen zu dem Wachstum beigetragen haben. In der NAFTA-Region stellte sich die von zu Jahresanfang unterstellte Markterholung nicht ein und das Volumen sank erneut um 1,8 % auf 20,6 Mio Reifen. Auch im Lkw-Reifenbereich wiesen die asiatischen Märkte die größten Volumenzuwächse auf. Mit einem Plus von 6,7 % auf 56,3 Mio wurde das starke Wachstum aus dem Vorjahr (5,8 %) noch einmal übertroffen.

Absatz im Ersatzgeschäft Lkw-Reifen
in Mio Stück 2007* 2006 2005 2004 2003
West- und Zentraleuropa 20,7 19,9 19,3 19,2 18,8
NAFTA-Region 20,6 20,9 21,5 20,5 19,2
Asien 56,3 52,8 49,9 46,5 42,1

Rohstoffmärkte
Die Entwicklung an vielen Rohstoffmärkten verlief im Jahr 2007 ähnlich volatil wie im Vorjahr. Für die Automobilindustrie wichtige Rohstoffe sind unter anderem auf ölbasierende Werkstoffe sowie Kupfer, Stahl, Nickel, Aluminium und für die Reifenindustrie insbesondere Naturkautschuk. Nach einer Entspannung, bei den auf ölbasierenden Werkstoffen zu Jahresbeginn wurden gerade hier im Jahresverlauf neue Rekordstände erzielt. Auch die Preise für Kupfer, Stahl und Nickel erreichten gerade in der ersten Jahreshälfte nahezu die Rekordwerte aus dem Vorjahr oder verteuerten sich – wie bei Nickel – auf einen neuen Rekordwert. Der Preis für Aluminium verzeichnete im Jahresverlauf 2007 eine leichte Entspannung, zog aber gegen Jahresende wieder auf das Jahresanfangsniveau an. Die Rekordstände aus dem Jahr 2006 wurden allerdings nicht erreicht. Im weiteren Jahresverlauf schwächte sich die Entwicklung bei Kupfer, Stahl und Nickel wegen der anhaltenden Indizien für eine Abschwächung der US-Wirtschaft teilweise ab. Weiterhin wurde die Entwicklung – wie schon im Vorjahr – vor allem durch die starke Nachfrage aus China, die politische Situation im Nahen und Mittleren Osten und nicht zuletzt durch Spekulationen getrieben. Gemildert wurde diese Entwicklung lediglich durch den weiteren Verfall des US-Dollar gegenüber dem Euro, da die Rohstoffe meistens auf US-Dollar-Basis abgerechnet werden. Insgesamt ergab sich aus der Entwicklung der Rohstoffmärkte für Continental im Jahr 2007 allerdings keine nennenswerte Belastung, da wir bereits im Jahr 2006 mit Preiserhöhungen für Pkw- und Nutzfahrzeugreifen auf den Anstieg insbesondere des Naturkautschukpreises reagiert hatten.

Naturkautschuk ist für die Reifen-Divisionen ein sehr wichtiger Einzelrohstoff und wird an den Warenbörsen in Singapur und Tokio gehandelt. Nach der Entspannung der Preise zum Jahresende 2006 zog der Preis für Naturkautschuk gerade in den ersten sechs Wochen des Jahres 2007 rasant an und erreichte den Durchschnittswert aus dem Vorjahr, der bei etwa 1.945 US-Dollar je Tonne lag. Bis zum vierten Quartal 2007 verstetigte sich das Preisniveau, ehe die Preise im vierten Quartal erneut anzogen. Kompensiert wurde der Anstieg teilweise durch die US-Dollarschwäche, da Naturkautschuk im Wesentlichen auf US-Dollar-Basis abgerechnet wird.

Continental kauft verschiedene Naturkautschuktypen, überwiegend in Thailand, Malaysia und Indonesien. Die Preisentwicklung verläuft tendenziell gleich. Am 28. Dezember 2007 wurde beispielsweise der Naturkautschuktyp TSR 20 an der Singapurer Börse SICOM mit rund 2.500 US-Dollar je Tonne notiert. Eine Tonne Naturkautschuk (TSR 20) kostete im Jahr 2007 durchschnittlich 2.145 US-Dollar im Vergleich zu 1.945 US-Dollar im Vorjahr. Dies entspricht einem Preisanstieg von 10,3 %.

Neben Naturkautschuk, als direkt eingesetztem Rohmaterial, ist Rohöl der wichtigste Ausgangsgrundstoff vieler Produktionsmaterialien wie Synthesekautschuk, Ruß und Chemikalien. Zwischen dem Rohöl und den von Continental beschafften Materialien liegen teilweise mehrstufige Produktionsprozesse bei Vorlieferanten. 2007 war der Rohölmarkt im fünften Jahr in Folge von steigenden Preisen geprägt. Im Zuge der sich fortsetzenden Entspannung des Rohölpreises zu Jahresbeginn fiel der Preis je Barrel im Januar mit 53 US-Dollar auf das niedrigste Niveau seit Dezember 2005. Von da an kannte der Ölpreis im Jahresverlauf allerdings nur noch eine Richtung und erreichte im September 2007 wiederum die alten Höchststände aus dem Jahr 2006 von 80 US-Dollar je Barrel. Am 31. Dezember 2007 wurde der Rohölpreis (WTI, West Texas Intermediate) mit 96 US-Dollar je Barrel notiert. Durchschnittlich stieg der Preis für Rohöl im Vergleich zum Vorjahr um 11 %.

Ein weiterer Grundstoff für unsere Produktionsmaterialien sind Metalle, die wir nur in einer höher veredelten Form zukaufen, beispielsweise Dreh-, Stanz- und Ziehteile. Nach einer Stabilisierung der Preise in den vergangenen beiden Jahren zog der Preis für Rohstahl im Jahresverlauf wieder an und verteuerte sich im Jahresdurchschnitt auf 650 US-Dollar, was einen Anstieg von 8,8 % bedeutet. Allerdings hatte dieser Preisanstieg aufgrund der guten Versorgungssituation unserer Vorlieferanten keinen negativen Einfluss auf unseren Geschäftsverlauf.

Preisentwicklung

Preisentwicklung

top