Ausblick des Continental-Konzerns

 

Voraussichtliche Umsatzentwicklung
Für das Jahr 2008 streben wir ein Umsatz an, der über dem pro forma berichteten Umsatz für Continental und Siemens VDO für das Jahr 2007 in Höhe von 26,4 Mrd € liegen soll. 2009 wollen wir, in Übereinstimung mit unseren strategischen Zielen, ein Wachstum von etwa 5 % erreichen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Erwartungen bezüglich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sowie hinsichtlich der Automobilbranche und der Rohstoffmärkte auch tatsächlich eintreten. Ferner nehmen wir an, dass insbesondere in den wichtigen Marktsegmenten keine wesentlichen unvorhersehbaren Veränderungen auftreten werden. Chancen für die beiden kommenden Jahre ergeben sich hingegen, falls die von uns getroffenen Annahmen sich als zu konservativ herausstellen. Zur Steigerung des Konzernumsatzes werden alle Divisionen beitragen.

Die drei neuen Automotive-Divisionen Chassis & Safety, Powertrain und Interior werden zum einen vom erworbenen Automobil-Geschäft der Siemens VDO und zum anderen von einer weiter wachsenden Nachfrage in Asien profitieren. Ferner erwarten wir auch für die kommenden Jahre ein steigendes Absatzvolumen von ESC in der NAFTA-Region.

Wir gehen für die Division Pkw-Reifen von einer anhaltenden Verbesserung des Produktmix aus. Daneben wird sich auch hier die vollständige Einbeziehung der Pkw-Reifenaktivitäten von Matador positiv auf die Umsatzentwicklung auswirken. Für die Region „The Americas“ rechnen wir ferner mit weiteren Absatzzuwächsen im Ersatzgeschäft.

Die fortschreitende Kapazitätserweiterung in Brasilien und der vollständige Einbezug der Nfz-Aktivitäten von Matador werden der Division Nfz-Reifen sowohl 2008 als auch 2009 dazu verhelfen, eine höhere Marktnachfrage abzudecken.

Auch in den Jahren 2008 und 2009 wird die Division ContiTech, gerade auf den osteuropäischen und asiatischen Absatzmärkten, weitere Absatzsteigerungen erzielen. Wir rechnen weiterhin damit, dass das Wachstum überproportional von Produkten außerhalb der Automobilindustrie getragen wird.

Voraussichtliche Ergebnisentwicklung
Wir rechnen für das Jahr 2008 auf Konzernebene mit einer Verbesserung der EBIT-Marge vor Abschreibungen aus der Kaufpreisallokation (PPA) sowie vor Integrationsund Restrukturierungsaufwendungen gegenüber der pro forma bereinigten EBIT-Marge 2007 in Höhe von 9,3 %. Für das Jahr 2009 rechnen wir mit einer weiteren Verbesserung der um die genannten Effekte bereinigten EBIT-Marge.

Im Rahmen des Erwerbs der Siemens VDO wurde die bisherige Organisationsstruktur des Continental-Konzerns geändert. Die bisherige Division Automotive Systems wurde aufgelöst und zusammen mit den Aktivitäten der Siemens VDO in die drei neuen Divisionen Chassis & Safety, Powertrain und Interior eingebracht. Deshalb ist eine isolierte Prognose der Ergebnisentwicklung der drei neuen Automotive-Divisionen nicht möglich. Des Weiteren ist damit zu rechnen, dass die Eingliederung der ehemaligen Automotive Systems-Aktivitäten in die neue Organisationsstruktur in den kommenden beiden Jahren zu Integrations- und Restrukturierungsaufwendungen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich führt. Der Großteil hiervon sollte allerdings das Jahr 2008 betreffen. Zusätzlich sind die drei neuen Automotive-Divisionen nach wie vor einem hohen Preisdruck durch die Automobilhersteller ausgesetzt. In Summe wird dies dazu führen, dass sich die genannten Faktoren negativ auf die EBIT-Marge des Konzerns auswirken werden. Allerdings sehen wir, entgegen unseren früheren Erwartungen, die Chance aus der Zusammenlegung unserer F&E-Aktivitäten, dem kombinierten Einkaufsvolumen und den verschlankten Vertriebsstrukturen Netto-Synergien in Höhe von mehr als 300 Mio € im Jahr 2010 zu heben.

Für die Division Pkw-Reifen ergeben sich in den kommenden beiden Jahren – insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2008 – hauptsächlich Risiken aus den wieder gestiegenen Materialpreisen u. a. für Naturkautschuk. Wie in der Vergangenheit werden wir versuchen, diese durch Rationalisierungsmaßnahmen, Mixverbesserungen und Preiserhöhungen zu kompensieren. Ferner stellt sich die Lagersituation bei Winterreifen auf dem Markt in Deutschland und Österreich Anfang des Jahres als schwierig dar. Für das laufende Jahr ist deshalb nicht mit Absatzsteigerungen auf diesen bedeutenden Absatzmärkten zu rechnen. Mittelfristig sehen wir aufgrund unserer guten Positionierung gerade auf den osteuropäischen Märkten Chancen, wieder an den positiven Trend der Vorjahre anzuschließen. Sollte sich die Nachfrage auf dem europäischen Markt weiter eintrüben, werden wir mit Restrukturierungsmaßnahmen insbesondere an den westeuropäischen Standorten reagieren. Chancen für die Jahre 2008 und 2009 sehen wir hingegen insbesondere in den über die vergangenen Jahre sukzessiv verbesserten Strukturen unseres Geschäftes in der Region „The Americas“. Der deutlich verbesserte Produktmix, die erheblich verbesserten Kostenstrukturen und die höhere Auslastung unseres Werkes in Brasilien sollten einen positiven Einfluss auf das operative Ergebnis der gesamten Division in den Jahren 2008 und 2009 haben. Die Risiken für diese Region sind ebenfalls in den steigenden Rohstoffkosten begründet, zumal hier der Kompensationseffekt aus dem gegenüber dem Euro schwächeren US-Dollar entfällt. Die Integration der Pkw-Reifenaktivitäten von Matador wird unsere Kostenposition in Europa noch einmal maßgeblich verbessern. Mit den zusätzlich zur Verfügung stehenden Absatzkanälen und dem Ausbau der Kapazitäten in der Region Osteuropa wird sich auch die Marktpräsenz in dieser Wachstumsregion noch einmal deutlich verbessern. Zusammengenommen rechnen wir in den kommenden beiden Jahren mit einer Steigerung des EBIT vor möglichen Restrukturierungsaufwendungen in dieser Division.

Die Division Nfz-Reifen wird den Produktionsanteil an den Niedrigkostenstandorten auch in den kommenden beiden Jahren weiter ausbauen. 2008 und 2009 werden sich die Erweiterungen unserer Produktionskapazitäten in Brasilien, Malaysia und Osteuropa sowie ein verbesserter Marktauftritt in diesen Regionen positiv auf das EBIT auswirken. Gleichzeitig sollten die schon umgesetzten Maßnahmen zur Kostensenkung an den Standorten Mount Vernon und Hannover-Stöcken einen Anstieg des EBIT nach sich ziehen. Sollten die Rohmaterialpreise gegenüber dem Vorjahr erneut steigen, wird diese Division ebenfalls versuchen, diesen Effekt durch Preiserhöhungen und gesteigerte Effizienzen zu kompensieren.

Die Division ContiTech wird in den Jahren 2008 und 2009 die erreichte Profitabilität weiter festigen. Neben neuen Produkten werden sich der Anteil des profitableren Industriegeschäfts und der Anteil der Produktion in Niedrigkostenländern erhöhen. Die Integration der Roulundsund Thermopol-Aktivitäten und die Eingliederung des Matador Conveyor Belt Geschäfts bieten darüber hinaus zusätzliche Chancen, die EBIT-Marge auf dem hohen Niveau zu verstetigen.

Geplante Finanzierungsmaßnahmen
Continental hat mit dem im Jahr 2007 abgeschlossenen Kredit über 13,5 Mrd € und der durchgeführten Kapitalerhöhung über 1,48 Mrd € eine solide Finanzierung für die Siemens VDO-Akquisition geschaffen. Für 2008 sind Anleiheemissionen geplant, um die zufließenden Mittel zur Rückführung der durch Banken zur Verfügung gestellten Kredite zu verwenden. Der Zeitpunkt und das Volumen sind abhängig von den Marktverhältnissen. Die Laufzeitenstruktur des Im Jahr 2007 abgeschlossenen Kredits über ursprünglich 13,5 Mrd € erlaubt Continental, bei ungünstigen Marktverhältnissen abwarten zu können.

Zur weiteren Stärkung der Bonitätseinschätzung ist die Emission einer Hybridanleihe vorgesehen, die unter anderem aufgrund der Nachrangigkeit gegenüber anderen Finanzschulden zum Teil Eigenkapital stärkenden Charakter aus Sicht von Analysten und Ratingagenturen hat. Der Erfolg der Platzierung wird allerdings in entscheidendem Ausmaß von der weiteren Entwicklung der Kreditmärkte abhängen.

Forschung und Entwicklung
Aufgrund des Erwerbs der Siemens VDO wird sich durch die Kombination aus beiden Bereichen das Verhältnis von Aufwand für Forschung und Entwicklung zum Umsatz im Jahr 2008 auf etwa 6 % erhöhen. Es ist unser Ziel, diese Quote in den kommenden Jahren abzusenken. Für 2009 ist mit einer Quote von knapp unter 6 % zu rechnen.

Investitionen (Bilanzzugang)
Auch in den kommenden beiden Jahren werden wir unsere expansive Investitionspolitik fortsetzten. Daher gehen wir für 2008 und 2009 von einer Investitionsquote in Höhe von etwa 6,0 % aus.

Netto-Finanzschulden und Gearing Ratio
Nach der Akquisition der Siemens VDO hat der Schuldenabbau in den kommenden beiden Jahren höchste Priorität. Ziel ist es, die Gearing Ratio bis 2010 auf unsere strategische Zielgröße von 80 bis 100 % zu senken. Dennoch sind in der Zwischenzeit kleinere Akquisitionen zur Stärkung unseres Non-Automotive-Bereichs denkbar. Mittel- bis langfristig verfolgen wir unverändert das Ziel, mindestens 40 % unseres Umsatzes in Non-Automotive-Geschäftsfeldern zu erzielen. Die Höhe der Dividende für die kommenden beiden Jahre wird unserem Ziel eines schnellen Schuldenabbaus Rechnung tragen. Mit einer Steigerung der Dividende ist deswegen für 2008 und 2009 aus heutiger Sicht nicht zu rechnen.

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EBIT. Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern (Earnings Before Interest and Taxes). Wir verstehen EBIT als Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, korrigiert um den Zinssaldo. Seit 2002 entspricht durch den Wegfall von planmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill das EBITA dem EBIT.

Asset-Backed-Securitization-Programm. Im Rahmen dieser Programme werden Forderungen aus Lieferungen und Leistungen pro Land zusammengefasst und jeweils als Pool an Finanzierungsgesellschaften verkauft, die sich durch Ausgabe von Commercial Papers am Kapitalmarkt refinanzieren.

Ausschüttungsquote. Die Ausschüttungsquote ergibt sich aus dem Verhältnis der Dividende für das Geschäftsjahr zum Ergebnis pro Aktie.

Continental Value Contribution (CVC). stellt den absoluten Wertbeitrag sowie Delta CVC die Veränderung des absoluten Wertbeitrags im Vergleich zum Vorjahr dar. Um den Wertbeitrag zu messen, wird vom RoCE die erforderliche Mindestverzinsung subtrahiert. Diese Mindestverzinsung wird von dem für den Continental- Konzern errechneten durchschnittlichen, gewichteten Kapitalkostensatz (WACC) abgeleitet. Zur Berechnung des CVC wird der durchschnittliche, gewichtete Kapitalkotensatz vom RoCE subtrahiert und mit den operativen Aktiva zum Stichtag multipliziert. Anhand der Veränderung des absoluten Wertbeitrags, gemessen durch Delta CVC, verfolgen wir, inwieweit Managementeinheiten Wert schaffend wachsen oder Ressourcen effizienter einzusetzen sind.

Defined Benefit Obligation (DBO). Barwert aller verfallbaren und unverfallbaren erdienten Ansprüche auf der Basis des geschätzten Gehaltsniveaus zum Zeitpunkt der Pensionierung. Das einzige versicherungsmathematische Verfahren, nach dem die DBO ermittelt werden darf, ist das Anwartschaftsbarwertverfahren (Projected Unit Credit Method). Die DBO entspricht der PBO (Projected Benefit Obligation).

Derivative Finanzinstrumente. Hierbei handelt es sich um Geschäfte, mit denen Zins- und/oder Währungsrisiken gesteuert werden.

EBITA. EBIT vor planmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill.

Finanzierungsleasing. Beim Finanzierungsleasing überträgt der Leasinggeber das Investitionsrisiko auf den Leasingnehmer. Der Leasinggeber trägt somit nur das Kreditrisiko und eventuell vereinbarte Dienstleistungen. Der Leasingnehmer ist wirtschaftlicher Eigentümer des Vermögensgegenstandes. Kennzeichen solcher Verträge ist eine feste Grundmietzeit, innerhalb derer eine Kündigung durch den Leasingnehmer ausgeschlossen ist.

Gearing Ratio. Die Nettofinanzschulden dividiert durch das Eigenkapital ergeben die Gearing Ratio.

Hedgegeschäft. Absicherung einer Transaktion gegen Risiken wie beispielsweise Wechselkursschwankungen oder Veränderungen in den Rohstoffpreisen durch Abschluss eines gegenläufigen Sicherungsgeschäftes, gewöhnlich in der Form eines Termingeschäftes.

IAS. International Accounting Standards. Die früheren, zum Teil noch gültigen Bilanzrichtlinien, herausgegeben vom IASB.

IFRIC. International Financial Reporting Interpretations Committee. Ausschuss zur Bestimmung von Anwendungssachverhalten im Rahmen bestehender IFRS bzw. IAS.

IFRS. International Financial Reporting Standards. Die herausgegebenen Bilanzrichtlinien des IASB.

Nettofinanzschulden. Die Nettofinanzschulden ergeben sich aus dem Saldo der zinspflichtigen bilanzierten Verbindlichkeiten und der vorhandenen liquiden Mittel sowie den Marktwerten der derivativen Finanzinstrumente.

Operative Aktiva. Als operative Aktiva gelten die Aktiva der Bilanz, ohne Berücksichtigung der flüssigen Mittel sowie der kurz- und langfristigen Derivate, aktiven latenten Steuern und Ertragsteuerforderungen und anderen finanziellen Vermögenswerten, zuzüglich der diskontierten Wechsel aus Lieferungen und Leistungen, abzüglich der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Operating Leasing. Eine Form des Leasing, die der Miete weitgehend ähnlich ist. Die bilanzielle Zurechnung und Aktivierung des Leasingobjekts erfolgt beim Leasinggeber.

Rating. Standardisierte Kennziffer auf den internationalen Finanzmärkten zur Beurteilung und Einstufung der Bonität eines Schuldners. Die Einstufung resultiert aus der wirtschaftlichen Analyse des Schuldners durch spezialisierte Ratingunternehmen.

ROCE. Verzinsung des eingesetzten Kapitals (Return On Capital Employed). Wir definieren RoCE als das Verhältnis von EBIT zu operativen Aktiva zum Stichtag.

SIC. Standing Interpretation Committee (Vorgänger des International Financial Reporting Interpretations Committee, IFRIC).

US GAAP. United States Generally Accepted Accounting Principles (US-amerikanische Rechnungslegung). Diese Regelungen werden in verbindliche und richtungsvorgebende Regelungen zur Rechnungslegung eingeteilt.

Währungsswap (Currency Swap). Tausch von Kapitalbeträgen in unterschiedlichen Währungen. Wird oft bei der Emission von Anleihen eingesetzt, bei denen die Emissionswährung nicht der Landeswährung des Emittenten entspricht.

Zinsswap. Ein Zinsswap ist der Austausch von Zinszahlungen zwischen zwei Partnern. Dadurch können z. B. variable Zinsen in feste getauscht werden oder umgekehrt.