Brief des Vorstandsvorsitzenden

 

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

2008 war ein Jahr außerordentlicher und weitreichender Veränderungen für unser Unternehmen. Blicken wir zurück: Wir sind energisch in das Jahr 1 der „neuen“ Continental gestartet, um uns mit aller Kraft hauptsächlich den mit der Siemens VDO-Akquisition verbundenen Herausforderungen zu widmen. Wir haben das Jahr ebenso energisch beendet – allerdings ganz anders als erwartet: Statt uns, unterstützt von wachsenden Märkten, vor allem auf VDO-Integration und Restrukturierung der Division Powertrain konzentrieren zu können, mussten wir das Unternehmen im zweiten Halbjahr plötzlich wetterfest für die tiefste Krise der Automobilbranche seit Jahrzehnten aufstellen.

Die ersten Schritte haben wir auch Dank des enormen Einsatzes der rund 140.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Continental weltweit gut hinbekommen: Gemeinsam setzten wir das größte Kostensenkungsprogramm der bisherigen Firmengeschichte in Gang, das spürbare und schmerzhafte Einschnitte in allen Bereichen vorsieht. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass wir erst einen Etappensieg errungen haben und uns bis zum Ziel neuer nachhaltiger und substanzieller Cashflow, um unsere hohe Verschuldung abzubauen, noch viel harte Arbeit bevorsteht.

Doch das zweite Halbjahr brachte nicht nur den in dieser Härte nicht vorhersehbaren weltweiten Konjunkturabschwung, sondern mit dem Übernahmeangebot der Schaeffler Gruppe eine völlig neue Aufgabe mit sich: Den Interessen aller Stakeholder inklusive denen der bisherigen Aktionärinnen und Aktionäre Rechnung zu tragen und gleichzeitig die Basis für konstruktive, auf die Zukunft ausgerichtete und wertschaffende Zusammenarbeit mit dem neuen Großaktionär zu legen. Wir sind davon überzeugt, dass wir dafür in Form der mit der Schaeffler Gruppe abgeschlossenen Investorenvereinbarung eine tragfähige Grundlage haben.

Allerdings ist der gesamte Prozess – leider – weder störungsfrei noch geräuschlos erfolgt. Sie alle werden die Medienberichte und Kommentare verfolgt haben.

Bis zur Drucklegung dieses Geschäftsberichts und damit dieses Briefes an Sie war außerdem noch unklar, in welcher Konstellation die Continental AG und die Schaeffler Gruppe künftig kooperieren werden. Doch wir haben ein gemeinsames Ziel: Wir wollen in Deutschland einen neuen globalen Champion im Automobilzuliefergeschäft schaffen. Dabei steht eines unabhängig von den Details fest: Welche Lösung auch immer am Ende gefunden wird, sie muss und wird auch die Interessen der Continental AG und aller ihrer Stakeholder wahren – dafür standen und stehen meine Vorstandskollegen und ich ein.

Zieht man unter all die Herausforderungen des Geschäftsjahres 2008 – erwartete wie völlig unvorhergesehene – einen Schlussstrich, bleibt ein eindeutiges Ergebnis: Die Continental hat sich auch im Vergleich mit dem Wettbewerb wirklich hervorragend geschlagen. Vergessen Sie bitte angesichts der vielen außerordentlichen Ereignisse und der dramatisch negativen Konjunkturentwicklung nicht, dass die Preise von Rohstoffen noch Mitte 2008 nie dagewesene Höchststände erreicht und das Unternehmensergebnis massiv belastet haben. Umso bemerkenswerter ist die operative Leistung des gesamten Continental-Teams, dem ich an dieser Stelle herzlich danke.

Bedanken möchte ich mich auch bei meinen Vorstandskollegen, die mir nicht erst seit meiner Wahl zum Vorstandsvorsitzenden verlässliche Partner waren und sind. Mit unserem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Manfred Wennemer und dem ebenfalls langjährigen Finanzvorstand Dr. Alan Hippe, der mich nach meinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender am 1. September 2008 sechs Monate lang als stellvertretender Vorstandsvorsitzender maßgeblich unterstützt hat, haben zwei herausragende Manager und Führungskräfte Abschied von der Continental genommen. Bedanken möchte ich mich außerdem bei Gerhard Lerch und William Kozyra. Unternehmen und Stakeholder haben ihnen allen viel zu verdanken. Auch personell hat damit eine neue Ära begonnen: Continental wird sich deutlich verändern. Damit verbunden sind große Herausforderungen, die wir meistern wollen. Damit verbunden sind aber auch große Chancen, die wir ergreifen werden. Unterstützen Sie – als Aktionäre oder auch potenzielle Investoren – uns dabei weiterhin durch Ihr Vertrauen!

Mit freundlichen Grüßen
Ihr

Unterschrift Dr. Karl-Thomas Neumann

Dr. Karl-Thomas Neumann
Vorsitzender des Vorstands

top

Dr. Karl-Thomas Neumann, Vorsitzender des Vorstands

Dr. Karl-Thomas Neumann
Vorsitzender des Vorstands

 

EBIT. Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern (Earnings Before Interest and Taxes). Wir verstehen EBIT als Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, korrigiert um den Zinssaldo. Seit 2002 entspricht durch den Wegfall von planmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill das EBITA dem EBIT.

Asset-Backed-Securitization-Programm. Im Rahmen dieser Programme werden Forderungen aus Lieferungen und Leistungen pro Land zusammengefasst und jeweils als Pool an Finanzierungsgesellschaften verkauft, die sich durch Ausgabe von Commercial Papers am Kapitalmarkt refinanzieren.

Ausschüttungsquote. Die Ausschüttungsquote ergibt sich aus dem Verhältnis der Dividende für das Geschäftsjahr zum Ergebnis pro Aktie.

Continental Value Contribution (CVC). stellt den absoluten Wertbeitrag sowie Delta CVC die Veränderung des absoluten Wertbeitrags im Vergleich zum Vorjahr dar. Um den Wertbeitrag zu messen, wird vom RoCE die erforderliche Mindestverzinsung subtrahiert. Diese Mindestverzinsung wird von dem für den Continental-Konzern errechneten durchschnittlichen, gewichteten Kapitalkostensatz (WACC) abgeleitet. Zur Berechnung des CVC wird der durchschnittliche, gewichtete Kapitalkotensatz vom RoCE subtrahiert und mit den operativen Aktiva zum Stichtag multipliziert. Anhand der Veränderung des absoluten Wertbeitrags, gemessen durch Delta CVC, verfolgen wir, inwieweit Managementeinheiten Wert schaffend wachsen oder Ressourcen effizienter einzusetzen sind.

Defined Benefit Obligation (DBO). Barwert aller verfallbaren und unverfallbaren erdienten Ansprüche auf der Basis des geschätzten Gehaltsniveaus zum Zeitpunkt der Pensionierung. Das einzige versicherungsmathematische Verfahren, nach dem die DBO ermittelt werden darf, ist das Anwartschaftsbarwertverfahren (Projected Unit Credit Method). Die DBO entspricht der PBO (Projected Benefit Obligation).

Derivative Finanzinstrumente. Hierbei handelt es sich um Geschäfte, mit denen Zins- und/oder Währungsrisiken gesteuert werden.

EBITA. EBIT vor planmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill.

Finanzierungsleasing. Beim Finanzierungsleasing überträgt der Leasinggeber das Investitionsrisiko auf den Leasingnehmer. Der Leasinggeber trägt somit nur das Kreditrisiko und eventuell vereinbarte Dienstleistungen. Der Leasingnehmer ist wirtschaftlicher Eigentümer des Vermögensgegenstandes. Kennzeichen solcher Verträge ist eine feste Grundmietzeit, innerhalb derer eine Kündigung durch den Leasingnehmer ausgeschlossen ist.

Gearing Ratio. Die Nettofinanzschulden dividiert durch das Eigenkapital ergeben die Gearing Ratio.

Hedgegeschäft. Absicherung einer Transaktion gegen Risiken wie beispielsweise Wechselkursschwankungen oder Veränderungen in den Rohstoffpreisen durch Abschluss eines gegenläufigen Sicherungsgeschäftes, gewöhnlich in der Form eines Termingeschäftes.

IAS. International Accounting Standards. Die früheren, zum Teil noch gültigen Bilanzrichtlinien, herausgegeben vom IASB.

IFRIC. International Financial Reporting Interpretations Committee. Ausschuss zur Bestimmung von Anwendungssachverhalten im Rahmen bestehender IFRS bzw. IAS.

IFRS. International Financial Reporting Standards. Die herausgegebenen Bilanzrichtlinien des IASB.

Netto-Finanzschulden. Die Netto-Finanzschulden ergeben sich aus dem Saldo der zinspflichtigen bilanzierten Verbindlichkeiten und der vorhandenen liquiden Mittel sowie den Marktwerten der derivativen Finanzinstrumente.

Operative Aktiva. Als operative Aktiva gelten die Aktiva der Bilanz, ohne Berücksichtigung der flüssigen Mittel sowie der kurz- und langfristigen Derivate, aktiven latenten Steuern und Ertragsteuerforderungen und anderen finanziellen Vermögenswerten, zuzüglich der diskontierten Wechsel aus Lieferungen und Leistungen, abzüglich der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Operating Leasing. Eine Form des Leasing, die der Miete weitgehend ähnlich ist. Die bilanzielle Zurechnung und Aktivierung des Leasingobjekts erfolgt beim Leasinggeber.

Rating. Standardisierte Kennziffer auf den internationalen Finanzmärkten zur Beurteilung und Einstufung der Bonität eines Schuldners. Die Einstufung resultiert aus der wirtschaftlichen Analyse des Schuldners durch spezialisierte Ratingunternehmen.

ROCE. Verzinsung des eingesetzten Kapitals (Return On Capital Employed). Wir definieren ROCE als das Verhältnis von EBIT zu durchschnittlichen operativen Aktiva des Geschäftsjahres.

SIC. Standing Interpretation Committee (Vorgänger des International Financial Reporting Interpretations Committee, IFRIC).

US GAAP. United States Generally Accepted Accounting Principles (US-amerikanische Rechnungslegung). Diese Regelungen werden in verbindliche und richtungsvorgebende Regelungen zur Rechnungslegung eingeteilt.

Währungsswap (Currency Swap). Tausch von Kapitalbeträgen in unterschiedlichen Währungen. Wird oft bei der Emission von Anleihen eingesetzt, bei denen die Emissionswährung nicht der Landeswährung des Emittenten entspricht.

FAS. Statements of Financial Accounting Standards. Die herausgegebenen Bilanzrichtlinien oder Ergänzungen des FASB.

FASB. Financial Accounting Standards Board. Ausschuss zur Festlegung von Bilanzrichtlinien für US GAAP.

Zinsswap. Ein Zinsswap ist der Austausch von Zinszahlungen zwischen zwei Partnern. Dadurch können z. B. variable Zinsen in feste getauscht werden oder umgekehrt.

EBITDA. Ergebnis vor Zinsen, Ertragsteuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (earnings before interest, taxes, depreciation and amortization). EBIT vor Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände, d. h. sowohl auf Anlagen und Maschinen als auch auf Firmenwerte übernommener Unternehmen.

IASB. International Accounting Standards Board. Ausschuss zur Festlegung von internationalen Bilanzrichtlinien.

PPA. Purchase Price Allocation (Kaufpreisallokation). Aufteilung des Kaufpreises im Rahmen eines Unternehmenserwerbs auf die identifizierten Vermögenswerte, Schulden und Eventualschulden. Nachträgliche Eröffnungsbilanzanpassungen – resultierend aus Unterschieden zwischen vorläufigen und finalen Zeitwerten zum Erstkonsolidierungszeitpunkt – werden als „PPA Anpassung“ berücksichtigt.

Weighted Average Cost of Capital (WACC). Der durchschnittliche, gewichtete Kapitalkostensatz, bestehend aus der anteiligen Verzinsung des Fremd- sowie Eigenkapitals.

Zinscap. Ein Zinscap regelt eine Zinsobergrenze für variable Zinsen im Zusammenhang mit einem nominalen Verschuldungsbetrag. Insofern die variablen Zinssätze diese Obergrenze übersteigen, erhält der Inhaber des Zinscap einen Ertrag in Höhe des Differenzbetrags zur Obergrenze als Kompensation. Als Gegenleistung wird eine Prämie für diesen Zinscap bezahlt.