Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
Die nachfolgenden Angaben über Inflations- und Wachstumsraten des Jahres 2008 geben den Stand der Schätzungen bei Drucklegung dieses Geschäftsberichts wieder.
Weltwirtschaft
Die im Juli 2007 am US-Hypothekenmarkt begonnen Krise wuchs sich 2008 zu einer globalen Finanzkrise aus, die insbesondere im dritten und vierten Quartal die Weltwirtschaft massiv belastete. So korrigierte der IMF (International Monetary Fund, Internationaler Währungsfonds) in seinem World Economic Outlook (letztes Update Januar 2009) innerhalb kürzester Zeit drei Mal seine Prognosen für 2008 und 2009 so deutlich nach unten, dass man mittlerweile von einer globalen Rezession als voraussichtlichem Wirtschaftsverlauf für 2009 sprechen muss. In vielen Staaten (USA, Deutschland, Japan) war bereits im zweiten und dritten Quartal des Jahres 2008 eine rückläufige Wirtschaftsentwicklung zu beobachten. Deswegen sehen viele Ökonomen den Beginn der „technischen“ Rezession in diesen Staaten bereits im zweiten Quartal 2008. Die Prognosen, die für das Jahr 2008 überwiegend ein Wachstum von 5 % vorhersahen, werden deutlich unterschritten. Der IMF sieht das Weltwirtschaftswachstum 2008 bei lediglich 3,4 %. 2009 soll das Wirtschaftswachstum weltweit, trotz der billionenschweren Investitionsprogramme aller nationalen Regierungen, um nur 0,5 % steigen. Das wäre der schlechteste Wert seit dem 2. Weltkrieg. Die Ökonomen sehen den Schlüssel für ein Erreichen dieser Prognose u. a. in der Wiederherstellung des Geld- und insbesondere auch des Kreditkreislaufs.
Deutschland
Nach einem guten ersten Halbjahr 2008 hat sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Halbjahr spürbar verlangsamt. Der Arbeitsmarkt konnte vom Aufschwung der vergangenen Jahre profitieren, die Arbeitslosenquote sank auf unter 8 %. Das Exportwachstum verlangsamte sich im Laufe des Jahres 2008 und brachte sinkende Exporte im vierten Quartal mit sich. Die nachlassende Weltkonjunktur führte zu Investitionsrückgängen, die insbesondere Deutschland als Exportnation trafen. Vor allem die Automobilindustrie wurde stark getroffen. Die Inflationsrate entwickelte sich parallel zur Entwicklung der Energiepreise. Nachdem der Ölpreis je Barrel Mitte 2008 bei über 140 US-Dollar lag, sank der Preis in der zweiten Jahreshälfte auf Werte von unter 50 US-Dollar je Barrel. Parallel sank die Inflationsrate auf unter 2 % zum Jahresende 2008. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs in 2008 um 1,3 %.
Westeuropa/Euroraum
Die Finanzkrise und die globale Nachfrageschwäche haben auch den Euroraum in eine Rezession geführt. Die restriktive Geldpolitik der EZB und die hohen Energiepreise waren in 2008 nicht förderlich für das Wirtschaftswachstum im Euroraum. Nach einem BIP-Wachstum von 2,6 % im Jahr 2007 sank das Wachstum auf unter 1 %. Inflationsraten von ca. 4 % ließen der EZB lange keinen Spielraum für eine expansive Geldpolitik. So lag der Leitzins der EZB noch im dritten Quartal bei 4,25 %, um am Jahresende auf 2,5 % zu sinken.
Zentral- und Osteuropa
Auch diese Region konnte sich dem verschlechterten konjunkturellen Umfeld nicht entziehen. Das Wachstum lag in Polen und der Slowakei dennoch bei über 5 %. Das nachlassende Wirtschaftswachstum führte auch in diesen Ländern zu einem Rückgang der Inflationsrate. Ende 2008 begannen die Notenbanken dieser Staaten, die Leitzinsen ebenfalls zu senken.
Russland
Das Jahr 2008 hat die Abhängigkeit Russlands von der Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise aufgezeigt. Die russische Landeswährung kam Ende 2008 erheblich unter Druck, nachdem insbesondere die Energiepreise stark gefallen waren. Der Energiesektor steht für mehr als 30 % des BIP. Die russische Zentralbank intervenierte mit hohen Geldbeträgen, um den Rubel im angestrebten Verhältnis zum aus Euro und US-Dollar bestehenden Währungskorb zu belassen.
Amerika
Die US-Wirtschaft befindet sich seit Anfang 2008 in der Rezession. Die Immobilienpreise haben bislang keinen Boden gefunden, auch die das Wirtschaftswachstum treibenden Konsumausgaben sind rückläufig. Weit mehr als 2 Millionen Arbeitsplätze sind in den USA 2008 verloren gegangen, die Arbeitslosigkeit stieg auf über 7 %. Die Politik hat in 2008 bereits viele Maßnahmen eingeleitet, um die Wirtschaft zu stimulieren. Staatliche Einflussnahme soll das angeschlagene Finanzsystem stabilisieren. Die eingetretene Insolvenz von Lehman Brothers im September 2008 gilt als das Schlüsselereignis für die Verstärkung der Finanzmarktkrise. Die Fed-Fund-Rate sank zum Jahresende auf 0 % bis 0,25 %.
Asien
Auch die exportorientierte japanische Wirtschaft wurde stark vom Einbruch der Weltwirtschaft getroffen. So sank der Export zum Jahresende 2008 im Jahresvergleich um ein Viertel. Das seit Jahren niedrige Zinsniveau erlaubte der Zentralbank keine Stimulierung der Wirtschaft durch Zinssenkungen.
China konnte wiederholt ein starkes Wirtschaftswachstum mit ca. 9 % vorweisen, jedoch konnte sich die exportorientierte Wirtschaft nicht von der weltweiten konjunkturellen Eintrübung abkoppeln. Im zweiten Halbjahr senkte die chinesische Zentralbank die Zinsen, um geldpolitisch unterstützend zu agieren.
