Finanzlage

 

Cashflow-Überleitung
Der Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit verringerte sich im Vorjahresvergleich um 28,8 Mio € auf 1.884,8 Mio € und erreichte 7,8 % vom Umsatz (Vj. 11,5 %). Wesentliche Gründe für diesen Rückgang sind gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum um 453,7 Mio € gestiegene Zinszahlungen, insbesondere aus der Kaufpreisfinanzierung für den Erwerb der Siemens VDO sowie gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum um 70,6 Mio € niedrigere für ausstehende Lohn- und Gehaltszahlungen gebildete Verbindlichkeiten. Positiv wirkten sich Steuererstattungen in Höhe von 149,2 Mio € aus der rückwirkenden Verschmelzung der Siemens VDO Automotive AG auf die Continental Automotive GmbH sowie der Abbau des Working Capital um 362,5 Mio € zum Ende des Geschäftsjahres 2008 aus.

2008 belief sich der Free Cashflow auf 628,5 Mio €. Dies war im Vergleich zum Vorjahr ein um 11.254,1 Mio € geringerer Mittelabfluss, der im Wesentlichen auf den Erwerb der Siemens VDO im Geschäftsjahr 2007 zurückzuführen ist, dem im Jahr 2008 keine vergleichbaren Auszahlungen gegenüberstanden. Die Auszahlungen für Investitionen in Sachanlagen und Software sowie in immaterielle Vermögenswerte erhöhten sich im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr um 717,0 Mio €. Der Mittelzufluss aus dem Abgang von Konzerngesellschaften und Geschäftsbereichen stieg gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum um 349,0 Mio € auf 350,0 Mio €. Der größte Effekt resultierte in diesem Zusammenhang aus dem Verkauf der Elektromotoren-Aktivitäten an die Brose Gruppe, der zu einem Mittelzufluss in Höhe von 230,0 Mio € führte. Insgesamt reduzierten sich die Mittelabflüsse für Investitionstätigkeit gegenüber dem Vorjahr um 11.282,9 Mio € auf 1.256,3 Mio €.

Die Netto-Finanzschulden reduzierten sich gegenüber dem Jahresende 2007 um 372,9 Mio € auf 10.483,5 Mio € (Vj. 10.856,4 Mio €). Damit beträgt die Gearing Ratio 189,6 % (Vj. 158,3 %) und liegt trotz der Reduzierung der Netto-Finanzschulden aufgrund des im Vergleich zum Ende des Vorjahres reduzierten Eigenkapitals über dem Vorjahresniveau. Einen wesentlichen Anteil am Abbau der Finanzschulden hatte die nahezu vollständige Ausübung der Wandlungsrechte aus der im Mai 2004 emittierten Wandelanleihe der Finanzierungstochter Conti-Gummi Finance B.V. (CGF), Amsterdam, Niederlande, über ursprünglich 400,0 Mio €. Von dem Ende 2007 ausstehenden Betrag in Höhe von nominal 377,1 Mio € wurden nominal 356,7 Mio € gewandelt, der verbleibende Betrag in Höhe von 20,4 Mio € wurde am 23. Oktober 2008 zurückgezahlt. Ferner führte der bereits oben beschriebene Verkauf der Elektromotoren-Aktivitäten an die Brose-Unternehmensgruppe zu einem Mittelzufluss in Höhe von 230,0 Mio €. Belastungen aus dem drastisch verschlechterten gesamtwirtschaftlichen Umfeld mit entsprechenden Auswirkungen auf die Automobilindustrie ließen einen weiteren Abbau der Finanzschulden nicht zu.

Investitionen (Bilanzzugang)
Der Bilanzzugang für Sachanlagen und Software in Höhe von 1.595,2 Mio € liegt um 698,3 Mio € über dem Vorjahreswert (896,9 Mio €). Die Investitionsquote beträgt 6,6 % (Vj. 5,4 %).

Die Erhöhung der Investitionen ist vor allem auf das von Siemens VDO neu hinzugekommende Geschäft zurückzuführen.

Finanzschulden
Die Brutto-Finanzschulden lagen zum Jahresende 2008 mit 12.117,3 Mio € (Vj. 13.126,8 Mio €) um 1.009,5 Mio € unter dem Vorjahresniveau.

Der Bestand an Anleihen reduzierte sich um 786,5 Mio € auf 70,0 Mio € (Vj. 856,5 Mio €). Neben der bereits beschriebenen vollständigen Rückführung der Wandelanleihe der CGF über ursprünglich 400,0 Mio € wurde die im Jahr 2001 begebene Anleihe der Continental AG über ursprünglich 500,0 Mio € am 5. Dezember 2008 planmäßig getilgt.

Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten lagen am 31.12.2008 bei 11.399,3 Mio € (Vj. 11.397,7 Mio €) und blieben damit nahezu auf Vorjahresniveau. Der zur Finanzierung des Erwerbs der Siemens VDO aufgenommene syndizierte Kredit wurde zum 31. Dezember 2008 durch die Continental AG sowie durch die Continental Rubber of America, Corp. (CRoA), Wilmington, USA, in Anspruch genommen und valutierte zum Berichtsstichtag in Höhe von insgesamt 10.162,7 Mio €. Für die im August 2012 fällige Tranche C bestanden zum Jahresende 2008 Zinssicherungen in Höhe von 3.125,0 Mio €. Der hieraus resultierende durchschnittlich zu zahlende Festzinssatz beträgt 4,19 % zzgl. Marge. Die für die im August 2008 fällige Tranche A bestehende Verlängerungsoption wurde für einen Teilbetrag in Höhe von 800,0 Mio € ausgeübt. Im August 2008 hat der Continental-Konzern durch die Finanzierungstochtergesellschaft CGF ein Schuldscheindarlehen mit einer dreijährigen Laufzeit über 110,0 Mio € aufgenommen.

Mio € 31.12.2008 31.12.2007
Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit 1.884,8 1.913,6
Mittelabfluss aus Investitionstätigkeit −1.256,3 −12.539,2
Cashflow vor Finanzierungstätigkeit (Free Cashflow) 628,5 −10.625,6
Dividendenzahlung −323,4 −293,1
Dividenden und Kapitalrückzahlungen an Minderheitsgesellschafter −43,9 −11,1
Ausgabe von Aktien 1,0 1.487,9
Nicht zahlungswirksame Veränderungen 118,4 −25,2
Sonstiges 18,0 −225,9
Währungskurseffekte −25,7 17,6
Veränderung der Netto-Finanzschulden 372,9 −9.675,4

Die verschiedenen Finanzverbindlichkeiten reduzierten sich um 224,6 Mio € auf 648,0 Mio € (Vj. 872,6 Mio €). Dies ist im Wesentlichen auf die im Vergleich zum Vorjahr geringere Ausnutzung des Commercial Paper Programms zurückzuführen. Am Jahresende 2008 lag der Wert mit 64,6 Mio € um 373,3 Mio € unter dem Vorjahreswert (Vj. 437,9 Mio €). Ferner wurden die Forderungsverkaufsprogramme mit 251,0 Mio € (Vj. 279,2 Mio €) mit einem geringen Volumen in Anspruch genommen. Gegenläufig entwickelte sich der Marktwert der Derivate, der mit 199,5 Mio € um 192,9 Mio € über dem Wert per 31.12.2007 lag (Vj. 6,6 Mio €).

Die flüssigen Mittel, Derivate und verzinsliche Anlagen reduzierten sich um 636,6 Mio € auf 1.633,8 Mio € (Vj. 2.270,4 Mio €).

Die Netto-Finanzschulden reduzierten sich gegenüber dem Jahresende 2007 um 372,9 Mio € auf 10.483,5 Mio € (Vj. 10.856,4 Mio €).

Die effektiven Finanzschulden, d. h. die um die Eventualverbindlichkeiten aus dem Wechselobligo erhöhten Netto-Finanzschulden, reduzierten sich um 386,4 Mio € auf 10.490,4 Mio € (Vj. 10.876,8 Mio €).

Finanzierung
Aufgrund der anhaltenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in den letzten Monaten des Jahres 2008 begann sich ein möglicher Anpassungsbedarf der Kreditbedingungen für den zum Erwerb der Siemens VDO aufgenommenen syndizierten Kredit abzuzeichnen. Die Continental ist daher im Dezember 2008 pro-aktiv mit einem Konzept auf die Banken zugegangen, um die Vertragsbedingungen an das veränderte wirtschaftliche Umfeld anzupassen. Nahezu alle involvierten Banken stimmten im Januar 2009 den Vorschlägen der Continental zu. Das Ergebnis der Nachverhandlungen ist eine Einigung auf höhere Margen im Vergleich zu den bisherigen Konditionen in Verbindung mit einem bis Ende 2010 eingeräumten höheren Spielraum im Hinblick auf das Verhältnis von Nettoverschuldung zu operativem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Die Höhe der Kreditzusagen von derzeit 11,8 Mrd Euro, die Aufteilung und Fälligkeiten der einzelnen Tranchen sowie deren Laufzeit von August 2009 bis August 2012 bleiben von den Modifizierungen unberührt. Weiterhin wurden im Hinblick auf die veränderte Situation des Unternehmens auch Modifizierungen der sonstigen Verpflichtungen des Unternehmens in die Vereinbarung aufgenommen. So wurden teilweise Regelungen aus der mit der Schaeffler KG im August 2008 abgeschlossenen Investorenvereinbarung aufgenommen. Bezüglich der Dividendenzahlung wurden Beschränkungen vereinbart, die sich mit Ausnahme des Geschäftsjahres 2008 am Dividendenniveau für das Geschäftsjahr 2007 orientieren. Damit ist die Finanzbasis des Konzerns abgesichert. Derzeit verfügt Continental über eine Liquidität von mehr als 3,5 Mrd € aus Barmitteln und ungenutzten Kreditlinien.

Im Jahr 2008 wurden die ursprünglich vereinbarten Covenants zum jeweiligen Quartalsstichtag eingehalten.

Basierend auf den Quartalsendwerten waren 33,8 % der Brutto-Finanzschulden nach Sicherungsmaßnahmen im Jahresdurchschnitt mit festen Zinssätzen ausgestattet.

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EBIT. Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern (Earnings Before Interest and Taxes). Wir verstehen EBIT als Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, korrigiert um den Zinssaldo. Seit 2002 entspricht durch den Wegfall von planmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill das EBITA dem EBIT.

Asset-Backed-Securitization-Programm. Im Rahmen dieser Programme werden Forderungen aus Lieferungen und Leistungen pro Land zusammengefasst und jeweils als Pool an Finanzierungsgesellschaften verkauft, die sich durch Ausgabe von Commercial Papers am Kapitalmarkt refinanzieren.

Ausschüttungsquote. Die Ausschüttungsquote ergibt sich aus dem Verhältnis der Dividende für das Geschäftsjahr zum Ergebnis pro Aktie.

Continental Value Contribution (CVC). stellt den absoluten Wertbeitrag sowie Delta CVC die Veränderung des absoluten Wertbeitrags im Vergleich zum Vorjahr dar. Um den Wertbeitrag zu messen, wird vom RoCE die erforderliche Mindestverzinsung subtrahiert. Diese Mindestverzinsung wird von dem für den Continental-Konzern errechneten durchschnittlichen, gewichteten Kapitalkostensatz (WACC) abgeleitet. Zur Berechnung des CVC wird der durchschnittliche, gewichtete Kapitalkotensatz vom RoCE subtrahiert und mit den operativen Aktiva zum Stichtag multipliziert. Anhand der Veränderung des absoluten Wertbeitrags, gemessen durch Delta CVC, verfolgen wir, inwieweit Managementeinheiten Wert schaffend wachsen oder Ressourcen effizienter einzusetzen sind.

Defined Benefit Obligation (DBO). Barwert aller verfallbaren und unverfallbaren erdienten Ansprüche auf der Basis des geschätzten Gehaltsniveaus zum Zeitpunkt der Pensionierung. Das einzige versicherungsmathematische Verfahren, nach dem die DBO ermittelt werden darf, ist das Anwartschaftsbarwertverfahren (Projected Unit Credit Method). Die DBO entspricht der PBO (Projected Benefit Obligation).

Derivative Finanzinstrumente. Hierbei handelt es sich um Geschäfte, mit denen Zins- und/oder Währungsrisiken gesteuert werden.

EBITA. EBIT vor planmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill.

Finanzierungsleasing. Beim Finanzierungsleasing überträgt der Leasinggeber das Investitionsrisiko auf den Leasingnehmer. Der Leasinggeber trägt somit nur das Kreditrisiko und eventuell vereinbarte Dienstleistungen. Der Leasingnehmer ist wirtschaftlicher Eigentümer des Vermögensgegenstandes. Kennzeichen solcher Verträge ist eine feste Grundmietzeit, innerhalb derer eine Kündigung durch den Leasingnehmer ausgeschlossen ist.

Gearing Ratio. Die Nettofinanzschulden dividiert durch das Eigenkapital ergeben die Gearing Ratio.

Hedgegeschäft. Absicherung einer Transaktion gegen Risiken wie beispielsweise Wechselkursschwankungen oder Veränderungen in den Rohstoffpreisen durch Abschluss eines gegenläufigen Sicherungsgeschäftes, gewöhnlich in der Form eines Termingeschäftes.

IAS. International Accounting Standards. Die früheren, zum Teil noch gültigen Bilanzrichtlinien, herausgegeben vom IASB.

IFRIC. International Financial Reporting Interpretations Committee. Ausschuss zur Bestimmung von Anwendungssachverhalten im Rahmen bestehender IFRS bzw. IAS.

IFRS. International Financial Reporting Standards. Die herausgegebenen Bilanzrichtlinien des IASB.

Netto-Finanzschulden. Die Netto-Finanzschulden ergeben sich aus dem Saldo der zinspflichtigen bilanzierten Verbindlichkeiten und der vorhandenen liquiden Mittel sowie den Marktwerten der derivativen Finanzinstrumente.

Operative Aktiva. Als operative Aktiva gelten die Aktiva der Bilanz, ohne Berücksichtigung der flüssigen Mittel sowie der kurz- und langfristigen Derivate, aktiven latenten Steuern und Ertragsteuerforderungen und anderen finanziellen Vermögenswerten, zuzüglich der diskontierten Wechsel aus Lieferungen und Leistungen, abzüglich der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Operating Leasing. Eine Form des Leasing, die der Miete weitgehend ähnlich ist. Die bilanzielle Zurechnung und Aktivierung des Leasingobjekts erfolgt beim Leasinggeber.

Rating. Standardisierte Kennziffer auf den internationalen Finanzmärkten zur Beurteilung und Einstufung der Bonität eines Schuldners. Die Einstufung resultiert aus der wirtschaftlichen Analyse des Schuldners durch spezialisierte Ratingunternehmen.

ROCE. Verzinsung des eingesetzten Kapitals (Return On Capital Employed). Wir definieren ROCE als das Verhältnis von EBIT zu durchschnittlichen operativen Aktiva des Geschäftsjahres.

SIC. Standing Interpretation Committee (Vorgänger des International Financial Reporting Interpretations Committee, IFRIC).

US GAAP. United States Generally Accepted Accounting Principles (US-amerikanische Rechnungslegung). Diese Regelungen werden in verbindliche und richtungsvorgebende Regelungen zur Rechnungslegung eingeteilt.

Währungsswap (Currency Swap). Tausch von Kapitalbeträgen in unterschiedlichen Währungen. Wird oft bei der Emission von Anleihen eingesetzt, bei denen die Emissionswährung nicht der Landeswährung des Emittenten entspricht.

FAS. Statements of Financial Accounting Standards. Die herausgegebenen Bilanzrichtlinien oder Ergänzungen des FASB.

FASB. Financial Accounting Standards Board. Ausschuss zur Festlegung von Bilanzrichtlinien für US GAAP.

Zinsswap. Ein Zinsswap ist der Austausch von Zinszahlungen zwischen zwei Partnern. Dadurch können z. B. variable Zinsen in feste getauscht werden oder umgekehrt.

EBITDA. Ergebnis vor Zinsen, Ertragsteuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (earnings before interest, taxes, depreciation and amortization). EBIT vor Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände, d. h. sowohl auf Anlagen und Maschinen als auch auf Firmenwerte übernommener Unternehmen.

IASB. International Accounting Standards Board. Ausschuss zur Festlegung von internationalen Bilanzrichtlinien.

PPA. Purchase Price Allocation (Kaufpreisallokation). Aufteilung des Kaufpreises im Rahmen eines Unternehmenserwerbs auf die identifizierten Vermögenswerte, Schulden und Eventualschulden. Nachträgliche Eröffnungsbilanzanpassungen – resultierend aus Unterschieden zwischen vorläufigen und finalen Zeitwerten zum Erstkonsolidierungszeitpunkt – werden als „PPA Anpassung“ berücksichtigt.

Weighted Average Cost of Capital (WACC). Der durchschnittliche, gewichtete Kapitalkostensatz, bestehend aus der anteiligen Verzinsung des Fremd- sowie Eigenkapitals.

Zinscap. Ein Zinscap regelt eine Zinsobergrenze für variable Zinsen im Zusammenhang mit einem nominalen Verschuldungsbetrag. Insofern die variablen Zinssätze diese Obergrenze übersteigen, erhält der Inhaber des Zinscap einen Ertrag in Höhe des Differenzbetrags zur Obergrenze als Kompensation. Als Gegenleistung wird eine Prämie für diesen Zinscap bezahlt.