Risikobericht

 

Im Rahmen des Risikomanagements wird die Gesamtrisikosituation von Continental konzernweit analysiert und gesteuert.

Continental muss als weltweit agierender Konzern vielfältige Risiken in die Überlegungen einbeziehen. Daraus ableitbare negative Einflüsse auf unser Geschäft sind nicht auszuschließen. Im Extremfall könnte der Bestand des Unternehmens gefährdet sein. Überschaubare Risiken akzeptieren wir, wenn die ihnen gegenüberstehenden Chancen eine nachhaltige Wertsteigerung erwarten lassen. Um Risiken rechtzeitig zu erkennen, ihre Ursachen zu analysieren, sie zu bewerten und zu vermeiden oder zumindest zu minimieren, existiert ein konzernweites einheitliches Risikomanagementsystem. Es regelt die Erfassung, Bewertung, Dokumentation und Berichterstattung von Risiken und ist in die Strategie-, Planungs- und Budgetierungsprozesse des Unternehmens integriert. Das Risikomanagementsystem, das in vollem Umfang die Anforderungen der Corporate-Governance-Grundsätze des Continental-Konzerns und der gesetzlichen Vorschriften erfüllt, ist Gegenstand der Jahresabschlussprüfung.

Risikoerkennung, -bewertung und -berichterstattung
Dazu analysiert das Management jeder Konzerneinheit die wesentlichen Risiken, die in seinen Bereich fallen. Sie werden nach vorgegebenen Kriterien zugeordnet und bewertet. Die Bewertung eines Risikos bemisst sich in der Regel danach, inwieweit es das operative Ergebnis der Einheit negativ beeinflussen könnte. Die Geschäftseinheiten berichten auf der Basis einer umfassenden Risikoinventur im Rahmen des monatlichen Reporting über die Veränderungen gemeldeter Risiken und über neue Entwicklungen, die zur Entstehung wesentlicher Risiken führen könnten. Kommt es zu neuen wesentlichen Risiken außerhalb der Regelberichterstattung, sind sie umgehend zu melden. Um Ursachen möglicher Risiken frühzeitig zu erkennen, analysiert das zentrale Controlling die im Rahmen des Reporting genannten Kennzahlen auf Konzern- und Divisionsebene.

Risikosteuerung
Für jedes identifizierte und als erheblich bewertete Risiko leitet das verantwortliche Management geeignete Gegenmaßnahmen ein, die auch im Reportingsystem dokumentiert werden. Die identifizierten Risiken werden durch das Compliance und Risikokomitee auf Konzernebene überwacht und konsolidiert. Es berichtet dem Vorstand regelmäßig und empfiehlt ggf. weitere Maßnahmen. Der Vorstand erörtert und beschließt diese Maßnahmen und berichtet dem Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats. Die zuständigen Gremien überwachen laufend die Entwicklung aller identifizierten Risiken und den Stand der eingeleiteten Maßnahmen. Die interne Revision überprüft regelmäßig den Risikomanagementprozess, wodurch dessen Effizienz und Weiterentwicklung sichergestellt ist.

Gesamtwirtschaftliche Risiken
Auf den Seiten 103 ff. haben wir ausführlich dargestellt, wie wir die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in der näheren Zukunft einschätzen.

Negative Auswirkungen, die mittelbar oder unmittelbar auch unser Unternehmen betreffen, sind gerade vor dem Hintergrund der großen Unsicherheit über den wirtschaftlichen Verlauf und die weltweite Vertrauenskrise im Bankensektor nicht auszuschließen. Die meisten Institute gehen aktuell von einer Rezession in den USA, Europa und Japan aus, wobei Erholungstendenzen frühestens für die zweite Jahreshälfte 2009 prognostiziert werden. Auch für die Schwellenländer wird von einer deutlichen Abkühlung der wirtschaftlichen Aktivität ausgegangen. Ob und in welchem Ausmaß die von den nationalen Regierungen initiierten „Hilfspakete“ für Banken und Wirtschaft die Dynamik der Weltwirtschaft im Jahresverlauf wieder beleben können, ist aus heutiger Sicht schwer abzuschätzen. Entscheidend wird es sein, die Vertrauenskrise im Bankensektor und die damit verbundenen Restriktionen bei der Kreditvergabe kurzfristig aufzulösen. Je länger dieser Prozess dauert, desto schwerwiegender werden die Auswirkungen auf den Güter- und Dienstleistungssektor sein. Hinzu kommt das Risiko geopolitischer Instabilitäten als Folge einer länger anhaltenden globalen Rezession. Die Folgen des Staatsinterventionismus bei Teil- oder Vollverstaatlichungen, die sich bislang nur auf den Bankensektor beschränken sind hingegen nicht abzuschätzen.

Daneben sehen wir zurzeit die folgenden wesentlichen Risikobereiche für das Unternehmen:

Branchenrisiken
Gerade für die Autoindustrie drückt sich die Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2009 in der großen Bandbreite der Expertenschätzungen über das absatzfähige Volumen für das Jahr 2009 aus. Diese Spanne reicht von einem 10- bis 25-prozentigen Rückgang der Neuzulassungen weltweit. Das Erreichen des unteren Endes der Bandbreite hätte eine dramatische Unterauslastung der Kapazitäten unserer Kunden zur Folge. Aufgrund der hohen Fixkostenintensität der Industrie wäre dann die Insolvenz eines Kunden oder einer seiner Tochtergesellschaften nicht mehr auszuschließen. Eine unmittelbare Folge wären Forderungsausfälle, die aufgrund der aktuellen Situation auch nicht versicherbar sind. Diesem Risiko treten wir allerdings mit einem effektiven Debitorenmanagement gegenüber. Das systemische Risiko, das darüber hinaus mit einer Insolvenz eines Kunden und insbesondere eines Automobilherstellers verbunden wäre ist hingegen schwer prognostizierbar und somit kaum absicherbar.

Allgemein lösen rückläufige Produktionsvolumina Risiken für Absatz, Umsatz und Ergebnis aus, denn Automobilhersteller nominieren zwar üblicherweise mindestens einen Lieferanten für ein bestimmtes Fahrzeug, sie geben jedoch keine Zusage über die Abnahme einer Mindestmenge der zu liefernden Produkte. Grundsätzlich vermindern wir diese Risiken, indem wir z. B. unsere Produktionskapazität stärker flexibilisieren und unsere Fixkosten senken. Wachsende Ausstattungsraten kompensieren diese Risiken in gewissem Umfang für einige wesentliche Unternehmensprodukte im Kfz-Bereich. Zu unserer Strategie gehört außerdem, dass wir beträchtliche Teile des Umsatzes außerhalb der Automobilindustrie generieren. Dann können wir unser Risiko auf Branchen mit unterschiedlichen Zyklen verteilen. Um für das absehbare schwierige Umfeld im Jahr 2009 noch besser gerüstet zu sein, hat der Vorstand bereits Ende 2008 Investitionen und Ausgaben für Forschung und Entwicklung für das Jahr 2009 in ihrem Umfang deutlich beschränkt und zusätzlich ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm aufgelegt.

Nach dem zum Teil deutlichen Preisverfall vieler für Continental wichtiger Rohstoffe, als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise, ist ein Preisanstieg des Öl- oder Naturkautschukpreises, wie er in den vergangenen Jahren oftmals unterjährig zu beobachten war, eher unwahrscheinlich. Bei anhaltend niedrigen Rohstoffpreisen könnte Druck auf unsere Preise, insbesondere im Reifenersatzmarkt entstehen, was mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Umsatz- und Ergebnissituation insbesondere der Reifensparte verbunden sein könnte.

Beschaffungsrisiken
Auf der Seite 106 ist erläutert, wie wir die Rohstoffmärkte in der näheren Zukunft einschätzen.

Die Automotive Divisionen können von Kostenrisiken insbesondere durch steigende Stahlpreise betroffen sein, während die übrigen Divisionen vor allem von der Entwicklung der Öl- sowie Naturkautschukpreise abhängig sind. Weil diese Rohstoffe üblicherweise in US-Dollar gekauft werden, kann ein stärker werdender US-Dollar für unsere Gesellschaften außerhalb der USA, deren Währungen nicht an den US-Dollar gebunden sind, ein weiteres Preisrisiko bedeuten. Dem Risiko fehlender Verfügbarkeit von Rohstoffen und Vorprodukten begegnen wir dadurch, dass wir den Markt genau beobachten und, falls erforderlich, nach neuen Lieferanten Ausschau halten und diese dann entwickeln. Ein „Single Sourcing“ ist aber nicht immer zu vermeiden. Die Risiken, dass wir Produkte unserer Zulieferer nicht rechtzeitig und in nicht ausreichender Menge oder Qualität erhalten, beschränken wir durch eine sorgfältige Auswahl und regelmäßige Überprüfung unserer Lieferanten, die nach dem Auftreten der Finanz- und Wirtschaftskrise noch einmal intensiviert wurde.

Investitionsrisiken
Investitionsentscheidungen sind wegen ihrer langfristigen Auswirkungen und ihres Volumens mit Risiken behaftet. Daher werden Investitionen erst umgesetzt, nachdem sie ein konzerneinheitliches Genehmigungsverfahren durchlaufen haben. Darin werden die Annahmen und die Wirtschaftlichkeit sorgfältig geprüft. Ein standortbezogener Risikofaktor wird dabei ebenfalls berücksichtigt. Aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung wurden die Kriterien zum Jahresende 2008 noch einmal überprüft. Die Folge war eine direkte Absenkung der Investitionsausgaben.

Produktrisiken
Produktmängel können Haftungsansprüche und kostenträchtige Austauschmaßnahmen zur Folge haben. Dem begegnen wir mit sorgfältiger Produktentwicklung, umfangreichem Qualitätsmanagement und intensiver Marktbeobachtung. Zusätzlichen Schutz bieten Versicherungsverträge und sonstige Vorsorgemaßnahmen. Gerade wegen der Unsicherheiten im amerikanischen Rechtssystem, wo in der Regel in erster Instanz eine Laienjury entscheidet, kann es allerdings vorkommen, dass für Produkthaftungsansprüche in einzelnen Fällen Aufwendungen entstehen, die die dafür gebildeten Vorsorgen übersteigen.

Umweltrisiken
Unser umfassendes Umweltmanagement versetzt uns in die Lage, Risiken für die Umwelt frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen zu deren Vermeidung zu ergreifen. Schon bei der Entwicklung unserer Produkte ziehen wir mögliche Auswirkungen auf die Umwelt ins Kalkül. Unsere Werke lassen wir nach der Umweltnorm ISO 14001 zertifizieren.

Viele Grundstücke des Konzerns unterliegen seit langer Zeit industriellen Nutzungen. Altlastenrisiken mit den entsprechenden Sanierungsverpflichtungen sind daher nicht ganz auszuschließen. Beim Erwerb von Unternehmen prüfen wir allerdings sehr genau, ob solche Risiken vorhanden sein könnten. Soweit erforderlich, werden sie dann angemessen vertraglich berücksichtigt.

Verschärfte gesetzliche Vorschriften gerade im Umweltbereich können höhere Entwicklungsaufwendungen oder Produktionskosten nach sich ziehen. Im Rahmen der Risikoerkennung und -steuerung beobachten wir die Gesetzgebung in den uns wichtigen Märkten und beschäftigen uns im Rahmen der Forschung und Entwicklung mit alternativen Produktionsmaterialien.

Risiken aus Versorgungszusagen
Zur Abwicklung und Finanzierung von Pensionszusagen bestehen in den USA, Großbritannien und einigen anderen Ländern Pensionsfonds, die von unabhängigen externen Fondsmanagern betreut werden. 2006 wurden von Continental rechtlich unabhängige Treuhandfonds im Rahmen eines sogenannten Contractual Trust Arrangement zur Vorfinanzierung von Altersvorsorgeverpflichtungen bestimmter Tochtergesellschaften in Deutschland eingerichtet. Schwache Finanzmärkte können die Wertentwicklung der Pensionsfonds belasten und erhebliche Mehraufwendungen mit sich bringen. Gerade die Entwicklung an den internationalen Aktienmärkten im abgelaufenen Geschäftsjahr hat die Wertentwicklung negativ beeinflusst. Stabilisierend wirkte hingegen unsere Investquote im Rentenbereich und am Geldmarkt. Über die Entwicklung der Pensionsverbindlichkeiten und der Fonds berichten wir im Konzernanhang unter der Nr. 24. Seit geraumer Zeit sind wir dabei, schrittweise auf beitragsorientierte Versorgungspläne („defined contribution“) umzustellen, um die Risiken aus Versorgungszusagen weiter zu verringern.

In einigen der US-Tochtergesellschaften bestehen außerdem Zusagen zur Beteiligung des Unternehmens an den Gesundheitsvorsorgekosten von Pensionären. Ein weiterer Anstieg dieser Kosten ist nicht auszuschließen. Diesem Risiko versuchen wir dadurch entgegenzuwirken, dass wir den vom Unternehmen zu leistenden Beitrag begrenzen.

Kreditrisiken
Lokale und zentrale Kreditmanager analysieren und überwachen das operative Kreditrisiko. Zu den Aufgaben des zentralen Kreditmanagements gehört auch die gebündelte Risikosteuerung des Forderungsvermögens. Ausfallrisiken sind dennoch nicht ganz auszuschließen und sind gerade vor dem Hintergrund der prekären wirtschaftlichen Situation der US-Hersteller und Zulieferunternehmen noch gestiegen.

Länderrisiken
Unsere Strategie, die Produktion an Standorten mit niedrigen Lohnkosten auszubauen und neue Märkte zu erschließen, kann dazu führen, dass wir bewusst angemessene und überschaubare Länder- und Marktrisiken eingehen. Das gilt vor allem für Schwellenländer. Unser allgemeines Risikomanagement beobachtet und prüft die jeweiligen rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen. Wird die Wirtschaftlichkeit einer Investition untersucht, ist die Bewertung des Länderrisikos ein wichtiger Aspekt.

Rechtliche Risiken
Über rechtliche Risiken, Rechtsstreitigkeiten und Schadenersatzansprüche berichten wir im Konzernanhang unter der Nr. 33. Risiken aufgrund von Verstößen gegen Compliance-Vorschriften, insbesondere im Bereich des Kartellrechts und der Korruption begegnen wir mit verstärkten Schulungsprogrammen, der Überwachung durch unsere internen Kontrollsysteme und die Prüfungen der Konzernrevision sowie durch die strikte Verfolgung von Fehlverhalten.

Personalrisiken
Hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei einem innovativen Unternehmen wie Continental von zentraler Bedeutung. Durch Fluktuation kann wichtiges Know-how verloren gehen. Wir versuchen unsere qualifizierten Fach- und Führungskräfte mit Förderprogrammen, leistungsorientierten Vergütungssystemen und internationalen Entwicklungsperspektiven stärker an uns zu binden. Durch enge Kontakte zu Hochschulen und spezielle Rekrutierungsprogramme gewinnen wir qualifizierte Nachwuchskräfte.

Der Continental-Konzern agiert weltweit. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben also zum Teil unterschiedliche kulturelle Hintergründe. Risiken aus vorsätzlichen rechtswidrigen Handlungen Einzelner sind nicht auszuschließen. Dem wirken wir mit einem internen Kontrollsystem entgegen, das von der Konzernrevision überwacht wird. Es besteht aus der Funktionstrennung, dem Vier-Augen-Prinzip sowie den konzernweit geltenden Verfahrensrichtlinien und dem Verhaltenskodex. Möglichem Fehlverhalten gehen wir konsequent nach.

Allerdings ist es nicht auszuschließen, dass insbesondere die jüngere Entwicklung der Continental AG, die maßgeblich durch den neuen Großaktionär geprägt ist, zu einem Abgang von weiteren wichtigen Führungskräften führen kann. Die anstehende Neuausrichtung des Konzerns und die organisatorische und rechtliche Ausgliederung der Rubber Group können ebenfalls zu einer über dem Durchschnitt liegenden Fluktuationsrate führen.

Beteiligungsrisiken
Mithilfe von Akquisitionen und Beteiligungen will Continental weitere Wertschöpfung und eine verbesserte Marktposition erreichen. Das ist Teil unserer Unternehmensstrategie. Daraus resultieren Beteiligungsrisiken, die wir schon im Vorfeld durch intensive „Due Diligence“-Prüfungen zu begrenzen versuchen. Alle Akquisitionen und Beteiligungen analysieren wir bezüglich ihrer strategischen Relevanz und Ertragsstärke. Im Zuge der sich zum Teil dramatisch verschlechterten Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie musste allerdings der Goodwill, der im Wesentlichen aus der Übernahme der Siemens VDO Aktivitäten zum Dezember 2007 resultierte, zum Jahresende auf seine Werthaltigkeit im Rahmen eines „Impairment-Tests“ überprüft werden. Die als immaterielle Vermögensgegenstände bilanzierten Kundenbeziehungen wurden ebenfalls einem Werthaltigkeitstest unterzogen. Das Ergebnis war eine nicht cashwirksame Abschreibung, die auf den Seiten 124 f. näher erläutert ist. Bei einer anhaltend schlechten Entwicklung der Fahrzeugmärkte ist eine weitere Abschreibung der Firmenwerte und Kundenbeziehungen nicht auszuschließen.

IT-Risiken
Eine zentralisierte und standardisierte IT-Umgebung birgt die Gefahr einer zu starken Abhängigkeit von einem System oder einem Rechenzentrum, denn ein Systemausfall hat dann unter Umständen gravierende Folgen für das gesamte Unternehmen. Dieses Risiko minimieren wir durch diverse Sicherheitsmaßnahmen. Zutrittskontrollsysteme gehören ebenso dazu wie Notfallpläne und die unterbrechungsfreie Stromversorgung wichtiger Systeme und Datenspiegelungen. Gegen Datensicherheitsrisiken durch unberechtigte Zugriffe auf die IT-Systeme setzen wir u. a. Firewallsysteme und Virenscanner ein.

Zins- und Währungsrisiken, Risiken aus Finanzinstrumenten
Die internationale Ausrichtung unserer Geschäftsaktivitäten führt zu Lieferungs- und Zahlungsströmen in unterschiedlichen Währungen. Daraus leitet sich ein Verlustrisiko ab, denn Vermögenswerte, die in einer Währung mit sinkendem Wechselkurs notiert sind, verlieren an Wert. Parallel dazu verteuern sich Verbindlichkeiten in einer Währung mit steigendem Wechselkurs. Das Netto-Exposure, das sich im Wesentlichen aus der Saldierung der Exporte mit den Importen in den einzelnen Währungen ergibt, wird bei Continental regelmäßig erfasst und bewertet. Wir praktizieren schon seit mehreren Jahren den „Natural-Hedge“-Gedanken zur Reduzierung des Währungskursrisikos. Sein Ziel: Der Saldo zwischen Einnahmen und Ausgaben in einer bestimmten Währung und damit auch die Auswirkung einer Kursschwankung gegenüber dem Euro soll möglichst gering gehalten werden. Darüber hinaus beobachten und analysieren wir die erwartete Entwicklung der Devisenkurse. Wechselkursrisiken werden gegebenenfalls mit geeigneten Finanzinstrumenten abgesichert. Im Rahmen dieses Währungsmanagements sind enge Grenzen für offene Positionen gesetzt. Sie schränken das Risiko aus dem Abschluss von Sicherungsgeschäften stark ein. Zur Absicherung dürfen ausschließlich derivative Finanzinstrumente eingesetzt werden, die sich im Risikomanagementsystem abbilden und bewerten lassen. Das im Ausland gebundene Nettovermögen des Konzerns wird grundsätzlich nicht gegen Wechselkursveränderungen abgesichert. Unsere Importe in den Euroraum sind überwiegend höher als die gegengerichteten Exportströme in andere Währungsräume.

Variable Zinsvereinbarungen bei Verbindlichkeiten bergen die Risiken steigender Zinsen in sich. Diese Risiken werden im Rahmen des Zinsmanagements bewertet, eingeschätzt und durch den Einsatz von derivativen Zinssicherungsinstrumenten gesteuert. Gegenstand dieser Steuerung sind die zinstragenden Verbindlichkeiten des Konzerns. Alle Zinssicherungsgeschäfte dienen ausschließlich der Steuerung der identifizierten Zinsänderungsrisiken. 2008 wurden umfangreiche Absicherungen der im Jahr 2012 fälligen Tranche C des im Jahr 2007 vereinbarten 13,5 Mrd € syndizierten Kredits vorgenommen, um das Zinsänderungsrisiko langfristig abzusichern. Insgesamt wurden 3,15 Mrd € zu durchschnittlich 4,19 % abgesichert. Es bleibt weiterhin unser Ziel etwa 50 % des Kreditvolumens fix und 50 % variabel verzinst zu halten.

Ein Risiko aus Schwankungen des Zeitwerts längerfristiger finanzieller Verbindlichkeiten durch Veränderungen der Kapitalmarktzinsen besteht für den Continental-Konzern nicht, da die Kapitalgeber daraus kein Recht auf vorzeitige Rückzahlung geltend machen können.

Zur Reduzierung des Kontrahentenausfallrisikos werden die Zins- und Währungsmanagementgeschäfte nur mit ausgewählten Banken abgeschlossen. Eine Bonitätsanalyse der Kontrahenten findet laufend statt. Interne Abwicklungsrisiken minimieren wir durch eine strikte funktionale Trennung der Aufgabenbereiche. Die konzernweiten Überschüsse oder Unterdeckungen in den einzelnen Währungen aus dem operativen Geschäft werden im Rahmen des zentralen Finanzcontrollings regelmäßig ermittelt und überwacht. Das zentrale Cash-Management nimmt eine regelmäßige Liquiditätsvorschau vor.

Liquiditätsrisiken
Für das operative Geschäft der Konzerngesellschaften ist eine kostengünstige und ausreichende Deckung des Finanzbedarfs erforderlich. Dafür sorgen verschiedene am Markt verfügbare Finanzierungsinstrumente. Sie setzen sich im Einzelnen zusammen aus Tages- und Termingeldern, Commercial Papers, Anleihen sowie bilateralen und syndizierten Krediten. Investitionen der Konzerngesellschaften werden überwiegend durch Eigenkapital und Darlehen von Banken oder Konzernunternehmen finanziert. Gleichzeitig bestehen Cash-Pooling-Vereinbarungen mit Konzerngesellschaften, soweit dies im Rahmen der jeweiligen rechtlichen und steuerlichen Gegebenheiten möglich und sinnvoll ist. Sollten bestimmte Ereignisse zu einem unerwarteten Finanzbedarf führen, kann Continental auf vorhandene Liquidität und auf feste Kreditzusagen von Banken zurückgreifen.

Sonstige Risken
Die unsichere Entwicklung des Jahres 2009 machte eine Anpassung der Kreditverträge, die im Zusammenhang mit der Übernahme der Siemens VDO-Aktivitäten im Jahr 2007 abgeschlossen wurden, notwendig. Die neuen Bedingungen sehen eine Erhöhung der Zinsmarge und Anpassungen weiterer Vereinbarungen vor. Im Gegenzug wurde Continental mehr Spielraum in Bezug auf die nach den Kreditverträgen einzuhaltenden Verschuldungskennzahlen bis Ende 2010 gewährt. Das wirtschaftliche Umfeld hat sich in den letzten Monaten erheblich verschlechtert. Dies hat sich auch auf die Umsätze und die Ertragslage der Continental ausgewirkt. Die künftige Situation im Jahr 2009 ist durch große Unsicherheit und eine weite Bandbreite der zur Verfügung stehenden Schätzungen zur weiteren Marktentwicklung geprägt. Trotz dieser Entwicklungen und der bestehenden Unsicherheiten erwartet der Vorstand nach heutiger, auf sorgfältiger Prüfung der verfügbaren Informationen beruhender Einschätzung eine Einhaltung dieser neu verhandelten Financial Covenants im Jahr 2009. Bei einem Verstoß gegen die Covenants könnten die Kredite fällig gestellt werden. Angesichts der operativen Performance und der guten strategischen Aufstellung der Continental geht der Vorstand aus heutiger Sicht jedoch davon aus, dass eine Aufrechterhaltung der Finanzierung erreicht werden kann. Dabei wäre mit einer Verteuerung der Kreditkonditionen zu rechnen. Darüber hinaus besteht das im Bericht zu § 289 Abs. 4 HGB bzw. § 315 Abs. 4 HGB (Seite 92 f.) näher erläuterte Risiko, dass die kreditgebenden Banken das Recht ausüben, ihren Kredit kurzfristig zu kündigen, falls bei der Continental AG ein Kontrollwechsel eintritt, insbesondere, wenn die Beteiligung der Schaeffler Gruppe 50 % des stimmberechtigten Grundkapitals der Continental AG oder mehr erreicht.

2009 besteht kein wesentlicher Refinanzierungsbedarf des ursprünglich in Höhe von 13,5 Mrd € syndizierten Kredits, da Continental Ende 2008 mehr als 3,8 Mrd € als Summe von vorhandener Liquidität und ungenutzten zugesagten Kreditlinien von Banken zur Verfügung hatte. Im Jahr 2010 werden hingegen 3,5 Mrd €, die Tranche B, fällig. Es ist geplant, diesen Betrag in Teilen oder in Summe in Abhängigkeit der Konditionen über den Kapitalmarkt im Rahmen einer oder mehrerer Transaktionen bis August 2010 abzulösen. Angesichts des deutlich verschlechterten Kreditrating der Continental und der hohen zu zahlenden Risikoaufschläge für Unternehmensrisiken, wäre aus heutiger Sicht eine materielle Verschlechterung des Zinsergebnisses bei Refinanzierung über den Kreditmarkt kaum vermeidbar.

top

 

EBIT. Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern (Earnings Before Interest and Taxes). Wir verstehen EBIT als Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, korrigiert um den Zinssaldo. Seit 2002 entspricht durch den Wegfall von planmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill das EBITA dem EBIT.

Asset-Backed-Securitization-Programm. Im Rahmen dieser Programme werden Forderungen aus Lieferungen und Leistungen pro Land zusammengefasst und jeweils als Pool an Finanzierungsgesellschaften verkauft, die sich durch Ausgabe von Commercial Papers am Kapitalmarkt refinanzieren.

Ausschüttungsquote. Die Ausschüttungsquote ergibt sich aus dem Verhältnis der Dividende für das Geschäftsjahr zum Ergebnis pro Aktie.

Continental Value Contribution (CVC). stellt den absoluten Wertbeitrag sowie Delta CVC die Veränderung des absoluten Wertbeitrags im Vergleich zum Vorjahr dar. Um den Wertbeitrag zu messen, wird vom RoCE die erforderliche Mindestverzinsung subtrahiert. Diese Mindestverzinsung wird von dem für den Continental-Konzern errechneten durchschnittlichen, gewichteten Kapitalkostensatz (WACC) abgeleitet. Zur Berechnung des CVC wird der durchschnittliche, gewichtete Kapitalkotensatz vom RoCE subtrahiert und mit den operativen Aktiva zum Stichtag multipliziert. Anhand der Veränderung des absoluten Wertbeitrags, gemessen durch Delta CVC, verfolgen wir, inwieweit Managementeinheiten Wert schaffend wachsen oder Ressourcen effizienter einzusetzen sind.

Defined Benefit Obligation (DBO). Barwert aller verfallbaren und unverfallbaren erdienten Ansprüche auf der Basis des geschätzten Gehaltsniveaus zum Zeitpunkt der Pensionierung. Das einzige versicherungsmathematische Verfahren, nach dem die DBO ermittelt werden darf, ist das Anwartschaftsbarwertverfahren (Projected Unit Credit Method). Die DBO entspricht der PBO (Projected Benefit Obligation).

Derivative Finanzinstrumente. Hierbei handelt es sich um Geschäfte, mit denen Zins- und/oder Währungsrisiken gesteuert werden.

EBITA. EBIT vor planmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill.

Finanzierungsleasing. Beim Finanzierungsleasing überträgt der Leasinggeber das Investitionsrisiko auf den Leasingnehmer. Der Leasinggeber trägt somit nur das Kreditrisiko und eventuell vereinbarte Dienstleistungen. Der Leasingnehmer ist wirtschaftlicher Eigentümer des Vermögensgegenstandes. Kennzeichen solcher Verträge ist eine feste Grundmietzeit, innerhalb derer eine Kündigung durch den Leasingnehmer ausgeschlossen ist.

Gearing Ratio. Die Nettofinanzschulden dividiert durch das Eigenkapital ergeben die Gearing Ratio.

Hedgegeschäft. Absicherung einer Transaktion gegen Risiken wie beispielsweise Wechselkursschwankungen oder Veränderungen in den Rohstoffpreisen durch Abschluss eines gegenläufigen Sicherungsgeschäftes, gewöhnlich in der Form eines Termingeschäftes.

IAS. International Accounting Standards. Die früheren, zum Teil noch gültigen Bilanzrichtlinien, herausgegeben vom IASB.

IFRIC. International Financial Reporting Interpretations Committee. Ausschuss zur Bestimmung von Anwendungssachverhalten im Rahmen bestehender IFRS bzw. IAS.

IFRS. International Financial Reporting Standards. Die herausgegebenen Bilanzrichtlinien des IASB.

Netto-Finanzschulden. Die Netto-Finanzschulden ergeben sich aus dem Saldo der zinspflichtigen bilanzierten Verbindlichkeiten und der vorhandenen liquiden Mittel sowie den Marktwerten der derivativen Finanzinstrumente.

Operative Aktiva. Als operative Aktiva gelten die Aktiva der Bilanz, ohne Berücksichtigung der flüssigen Mittel sowie der kurz- und langfristigen Derivate, aktiven latenten Steuern und Ertragsteuerforderungen und anderen finanziellen Vermögenswerten, zuzüglich der diskontierten Wechsel aus Lieferungen und Leistungen, abzüglich der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Operating Leasing. Eine Form des Leasing, die der Miete weitgehend ähnlich ist. Die bilanzielle Zurechnung und Aktivierung des Leasingobjekts erfolgt beim Leasinggeber.

Rating. Standardisierte Kennziffer auf den internationalen Finanzmärkten zur Beurteilung und Einstufung der Bonität eines Schuldners. Die Einstufung resultiert aus der wirtschaftlichen Analyse des Schuldners durch spezialisierte Ratingunternehmen.

ROCE. Verzinsung des eingesetzten Kapitals (Return On Capital Employed). Wir definieren ROCE als das Verhältnis von EBIT zu durchschnittlichen operativen Aktiva des Geschäftsjahres.

SIC. Standing Interpretation Committee (Vorgänger des International Financial Reporting Interpretations Committee, IFRIC).

US GAAP. United States Generally Accepted Accounting Principles (US-amerikanische Rechnungslegung). Diese Regelungen werden in verbindliche und richtungsvorgebende Regelungen zur Rechnungslegung eingeteilt.

Währungsswap (Currency Swap). Tausch von Kapitalbeträgen in unterschiedlichen Währungen. Wird oft bei der Emission von Anleihen eingesetzt, bei denen die Emissionswährung nicht der Landeswährung des Emittenten entspricht.

FAS. Statements of Financial Accounting Standards. Die herausgegebenen Bilanzrichtlinien oder Ergänzungen des FASB.

FASB. Financial Accounting Standards Board. Ausschuss zur Festlegung von Bilanzrichtlinien für US GAAP.

Zinsswap. Ein Zinsswap ist der Austausch von Zinszahlungen zwischen zwei Partnern. Dadurch können z. B. variable Zinsen in feste getauscht werden oder umgekehrt.

EBITDA. Ergebnis vor Zinsen, Ertragsteuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (earnings before interest, taxes, depreciation and amortization). EBIT vor Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände, d. h. sowohl auf Anlagen und Maschinen als auch auf Firmenwerte übernommener Unternehmen.

IASB. International Accounting Standards Board. Ausschuss zur Festlegung von internationalen Bilanzrichtlinien.

PPA. Purchase Price Allocation (Kaufpreisallokation). Aufteilung des Kaufpreises im Rahmen eines Unternehmenserwerbs auf die identifizierten Vermögenswerte, Schulden und Eventualschulden. Nachträgliche Eröffnungsbilanzanpassungen – resultierend aus Unterschieden zwischen vorläufigen und finalen Zeitwerten zum Erstkonsolidierungszeitpunkt – werden als „PPA Anpassung“ berücksichtigt.

Weighted Average Cost of Capital (WACC). Der durchschnittliche, gewichtete Kapitalkostensatz, bestehend aus der anteiligen Verzinsung des Fremd- sowie Eigenkapitals.

Zinscap. Ein Zinscap regelt eine Zinsobergrenze für variable Zinsen im Zusammenhang mit einem nominalen Verschuldungsbetrag. Insofern die variablen Zinssätze diese Obergrenze übersteigen, erhält der Inhaber des Zinscap einen Ertrag in Höhe des Differenzbetrags zur Obergrenze als Kompensation. Als Gegenleistung wird eine Prämie für diesen Zinscap bezahlt.